„Eine Frau hat genau so viel Ehre wie ein Mann“

Pressebild der Roland Berger Stiftung

Dr. Asma Jahangir

Von Julius Kittler

Sehr fest und selbstbewusst ist die Stimme der zierlich und fast zerbrechlich wirkenden Preisträgerin des Roland Berger Preises für Menschenwürde 2013 aus Pakistan. Sie ist klein, nicht größer als 1,6 m, und hat schulterlange schwarze Haare, die zu einem Zopf zusammengebunden sind. Ihr gelbes Tuch reicht ihr bis zu den Knien und sie trägt eine Brille mit schwarzem Rand, die sie sehr intelligent aussehen lässt. Und intelligent ist die pakistanische Anwältin und Menschenrechtlerin in der Tat. Doch es ist nicht nur ihr Verstand, der sie zu etwas besonderem macht, sondern auch ihr Herz. Denn auf eben diesem liegt ihre rechte Hand, als sie sagt: „ Ich spüre die Menschen gerne, rede mit ihnen und höre ihnen zu.“ 

Die Preisträgerin des diesjährigen Roland Berger Preises für Menschenwürde heißt Dr. Asma Jahangir und sie ist eine der bedeutendsten Stimmen der Frauenrechte in der islamischen Gesellschaft. Sie wird für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von religiösen Minderheiten, von Kindern und von Frauen ausgezeichnet – für ihren Mut sich gegen die jahrhundertelange Tradition einer Gesellschaft zu wenden, die ihre Frauen benachteiligt. Schon als Kind erlebte sie, wie ihr Vater ins Gefängnis musste, weil er ein Gegner der Militärdiktatur war, und fasste den Entschluss, sich für benachteiligte Minderheiten in ihrem Land einzusetzen. So gründete sie vor 33 Jahren zusammen mit ihrer Schwester die erste von Frauen geführte Anwaltskanzlei – und gleichzeitig auch die erste kostenlose rechtliche Anlaufstelle für Frauen. Indem sie vor Gericht erfolgreich die Rechte zahlreicher Opfer von Missbrauch, Zwangsarbeit und Vergewaltigung vertrat, erregte sie Aufmerksamkeit und brachte immer mehr pakistanische Frauen dazu, auf ihre Rechte zu bestehen.

Im Jahre 1982 erhielt sie sogar den Spitznahmen „kleine Heldin“, weil sie einen Protestmarsch gegen die Entscheidung des damaligen pakistanischen Präsidenten, religiöse Gesetze durchzusetzen, ins Leben rief. Außerdem ist sie nicht nur Gründerin, sondern seit 2005 auch Vorsitzende der „Human Rights Commission of Pakistan“, und setzte sich im Jahr 2006 für die Durchsetzung des „Protection of Women Act“ ein.
Denn laut Dr. Asma Jahangir sind Ehrenmorde vollkommen indiskutabel. „Die ganzen Traditionen gehen auf Kosten der Frauen. Warum nicht auf Kosten der Männer?“ Die Menschenrechtlerin weiß, dass sich keine Gesellschaft ohne die volle Beteiligung von Frauen entfalten kann. Und doch sind die Rechte der Frauen in Pakistan stark eingeschränkt. In den Nachrichten hört man oft von Ehrenmorden, von Unterdrückung und Vergewaltigung vieler Frauen durch ihre eigenen Ehemänner. Nur die wenigsten Frauen haben Zugang zu Ausbildung und Beruf und diese haben nicht selten mit Belästigung am Arbeitsplatz zu kämpfen. Frauen, die ihren Verehrer abweisen, müssen mit einem Säureanschlag rechnen. Doch lassen sie sich auf eine Heirat ein, erwartet sie oft lebenslange Unterdrückung. Dennoch trauen sich die wenigsten Frauen, ihren Mann wegen häuslicher Gewalt anzuzeigen, denn dies hätte Strafen und öffentliche Schande zufolge.
Genau daran will Dr. Asma Jahangir etwas ändern. Bei der Pressekonferenz vor der Verleihung des Roland Berger Preises für Menschenwürde sagt sie: „Wir müssen mit den Frauen in einer offenen Atmosphäre über ihre Rechte sprechen.“

Offen ist die Atmosphäre in Pakistan allerdings zurzeit keineswegs. Doch Dr. Asma Jahangir ist das lebende Beispiel dafür, dass Frauen dennoch etwas erreichen können, dass sie sich durchsetzen können –auch in einer Gesellschaft, die alles andere als offen ist.

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