„Eine gemeinsame Stimme ist lauter als eine einzelne Stimme“

Pressebild der Roland Berger Stiftung

Leeda Yacobi

Von Benjamin Lewerenz 

Er muss sitzen. Vor allem vor den Kameras. Also nochmal richten, den Schal, den grünen. Er ist grün, denn Grün steht für Kraft und Einheit. Und genau das wollen die Frauen des “Afghan Women´s Network“ zeigen.

Leeda Yacoobi, Leiterin des “Afghan Women´s Network“, muss viele Interviews geben beim Roland Berger Preis für Menschenwürde. Zusammen mit den anderen Preisträgern sitzen wir dort nach der Pressekonferenz in einem Gesprächskreis.

„Eine gemeinsame Stimme ist lauter als eine einzelne Stimme“, erklärt sie mir. Denn sie ist Lobbyistin und wie alle Lobbyorganisationen hat auch die Ihre eine Vision, und das ist eine wirklich sinnvolle: Die Vision eines Afghanistan, in dem Frauen, Kinder und Männer die gleichen Rechte haben und in dem der gesellschaftliche Beitrag und die Leistung der Frauen respektiert und vor allem honoriert werden.

„Wo man vielleicht auch über solche Luxusprobleme wie eine Frauenquote diskutieren kann?“, frage ich. Sie lacht: „Bei uns wären schon 25 Prozent Polizistinnen ein Erfolg.“ Ein echter Erfolg ist das Ministerium für Frauenrechte. Das war 1995 noch ein Wunschtraum. Damals kamen die Taliban an die Macht und das “Afghan Women´s Network“ wurde gegründet. Eine Organisation, die gegen ein dermaßen fundamentalistisches System kämpft, kann eigentlich nur zum Scheitern verurteilt sein. War sie aber nicht. Mit dem Ende des Taliban-Regimes verbesserte sich die Situation der Frauen in Afghanistan. Das Recht auf Arbeit und der Zugang zu Bildung haben sich durch und durch verbessert. Trotzdem herrschen in Afghanistan immer noch Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen.

Dr. Asma Jahangir aus Pakistan, eine andere Preisträgerin, erzählt uns, dass ihr häufiger angeboten wurde, dass Richteramt zu übernehmen. Ich frage Frau Jacoobi, ob sie nicht auch auf diesem Wege für die Rechte der Frauen kämpfen wolle. „Nein, aber es wäre schön, wenn wir am obersten Gerichtshof eine Richterin hätten.“

Herr Berger kommt zu uns in den Kreis. Frau Jacoobi zieht sich wieder zurück. Er erzählt uns über die Jury-Arbeit und, dass die Entscheidung leicht fiel. „Drei verschieden Persönlichkeiten, drei unterschiedliche Erfolge – die aber doch alle in eine Richtung weisen“, erklärte im Vorfeld auch Prof. Dr. Prodi, Mitglied des Preisvergabekommittees der Roland Berger Stiftung. Die Richtung: „Eine neue Rolle der Frauen in der schwierigen Situation von heute.“ Jacoobi sagt, sie freue sich für ihr Netzwerk über die „Anerkennung des deutschen Volkes“.

Deshalb steht sie heute hier und richtet sich den Schal, den grünen – weil sie jetzt gehen muss, und draußen muss der Schal sitzen.

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