Ich mag nicht leben wenn du nicht wohl bist. – So what?

Wie viel ist unser Liebesleben wert, wenn es nur nebenbei bekundet wird?

von Jelka Lüdtke

In unserer Welt muss alles schneller, besser und auf dem neuesten Stand sein. Alte und bewährte Dinge geraten in Vergessenheit. Aber wer will Liebesbekundungen nur per SMS oder Instant Message bekommen? Ist die Wahl der Medien entscheidend für den Inhalt? Während man im 18. Jahrhundert zum Stift griff und im Kerzenschein – mit den Gedanken bei der Geliebten – einen Brief formulierte und seine Sehnsucht in Worte fasste, wie Goethe, der zum Beispiel seiner Charlotte schrieb: „Ich mag nicht leben wenn du nicht wohl bist“, kommt heute nur ein: „HDL“, oder „LD“.

Ist es nicht schöner zu wissen, dass der Liebste sich die Zeit genommen hat einen Text zu schreiben? SMS schreibt man bei jeder Gelegenheit – zum Termine vereinbaren: „Wann kannst du?“, aus Spaß: „LOL“, um in Kontakt zu bleiben: „Wie geht’s?“, um Kleinigkeiten zu klären, die man auch bei dem nächsten Treffen klären kann: „Hast du das Buch noch?“ oder einfach aus Langeweile: “Mir ist laaaaangweilig… “. SMS sind alltäglich und sind nichts besonderes mehr. Anders als Briefe. Einen Brief zu bekommen symbolisiert etwas Besonderes, die Handschrift des Autors gibt ihm eine persönliche Note und er ist greifbar, er kann immer wieder in die Hand genommen werden. SMS sind immer in der gleichen Schrift, egal, wer der Absender ist, und nur auf dem Handy einzusehen. Ein Klick und sie sind gelöscht. Aber wer schreibt noch Briefe? Machen wir nicht alles nur noch per SMS? Sogar Prominente schreiben keine Briefe mehr und beenden ihre Beziehung per SMS, so wie 2008 Alessandra Pocher ihre Verlobung mit Boris Becker. Hätte Goethe seiner Geliebten nur SMS geschrieben, wie hätte das geklungen? Wäre dann aus den langen und wohl formulierten Sätzen wie: „Schon am frühen Morgen muß ich um deine Liebe bitten und fragen. Noch konnte ich keinen Augenblick finden dir meine Freude zu sagen daß du wohl bist. Leider stört uns heute die Ankunft der Herrschaften und man wird Abends auf dem Picknick erscheinen müssen“,  nur mehr ein kurzes: „Sry Liebste, heute Abend ist schlecht, habe Besuch“, geworden? Ist das ein Sinnbild für das heutige Liebesleben? Haben wir heute tatsächlich nicht mehr die Zeit unseren Lieben zu sagen, wie innig unsere Liebe ist, oder nehmen wir sie uns einfach nicht mehr und verrennen uns in der Schnelligkeit und Kurzlebigkeit der Welt und der Medien?

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