9 Jahre machen glücklicher

Persönlichkeitsentwicklung braucht Freiraum und Zeit, die aber durch den vollgestopften Schulalltag immer weniger vorhanden sind. Deshalb: Schafft das G8 wieder ab!

von Victoria Lichtenwald

Nicht nur Schüler bezeichnen das Jahr 2011 als „Chaosjahr“, sondern auch Lehrer, Eltern, Universitäten und Ausbildungsstellen. Der Grund dafür: Es war das letzte Jahr des G9, weshalb sich die Zahl der Abiturienten auf einen Schlag verdoppelte.

Während Universitäten und Ausbildungsstellen eine Flut an Bewerbungen erhielten, standen die Schülerinnen und Schüler unter noch höherem Druck, gute Leistungen zu erbringen, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

In den nächsten Jahren müssen Gymnasiasten aller Länder durch das G8 passieren, um die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Die Meinungen darüber, was denn nun besser sei – G8 oder G9 – sind geteilt.

Zunächst einmal muss man zugeben, dass es durchaus verlockend klingt, seinen Schulabschluss ein Jahr früher zu haben als die G9-Schüler. Das bietet den Vorteil, eher ins Berufsleben einsteigen zu können, um dann so schnell wie möglich auf eigenen Beinen zu stehen. Und welcher Schüler möchte das nicht gerne? Auf der anderen Seite bedeutet die um ein Jahr verkürzte Gymnasialzeit, dass die Lehrer noch mehr Stoff in noch weniger Zeit unterbringen müssen und deshalb noch weniger auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler eingehen können.

Die Schüler wiederum sehen sich zusätzlich unter Druck gesetzt, weil sie nun in zwei Jahren das erlernen müssen, wofür bisher drei Jahre Zeit war. Einige westdeutsche Länder wie z.B. Schleswig-Holstein oder Hessen zweifeln am System G8 und bieten ab Sommer 2013 an Gymnasien wahlweise ein Abitur in acht oder neun Jahren an. So kann jeder Schüler individuell entscheiden, welcher Weg für ihn der beste ist. Denn Persönlichkeitsentwicklung braucht Raum und Zeit, die aber durch den vollen Tagesablauf stark beschnitten werden. Auch für Hobbys bleibt da kaum Zeit. Wann soll man auch neben der Schule, die jeden Tag bis 16 Uhr geht, noch Zeit für Freunde, Leistungssport, Musik, Hausaufgaben und Lernen gleichzeitig haben? Sicher, mancher Schüler kommt mit dem Zeitdruck gut klar und sieht in der verkürzten Lernzeit keinerlei Probleme. Letztlich sollte aber jeder selbst entscheiden können, ob er sich für sein Abitur besser ein Jahr mehr Zeit nimmt oder die Schule doch lieber in zwölf Turbojahren hinter sich bringt. Jeder kennt seine Fähigkeiten und Belastbarkeiten selbst am besten und deshalb sollte auch jeder die Möglichkeit haben, seinen Weg zum Abitur selbst zu wählen.

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