Urheberrecht – überholt und unproduktiv?

von Enes Morsli

Seit vielen, vielen Jahren schon besteht der Wunsch der Menschheit eine weltweite Universalbibliothek zu erstellen. Sie soll alle bestehenden Bücher enthalten und jedem zugänglich sein. Diese Vision teilte auch der Riesenkonzern Google, welcher zahlreiche Universitäten und Bibliotheken ebenfalls dafür begeistern konnte. Google bekam Unmengen an Büchern zugesandt, die alle eingescannt wurden. Doch ganz so gut hat das nicht geklappt. Nach 20 Millionen digitalisierten Büchern war nämlich Schluss. Der Grund: Will man Bücher digitalisieren, so muss man natürlich vorher den Verlag fragen.

Was eigentlich jedem mit gesundem Menschenverstand bewusst sein sollte, hatte Google verabsäumt. Und das geht nun mal ganz und gar nicht, schließlich haben Autoren und Verlage Rechte. Die Konsequenz: Ein riesiger Urheberrechts-Prozess im Jahr 2008, der dazu führte, dass Google saftige Entschädigungen zahlen musste. Außerdem mussten die Autoren an den Werken, die bereits unerlaubter Weise digitalisiert wurden, an den Gewinnen beteiligt werden. Eigentlich auch selbstverständlich. Das ist natürlich nur der Fall, wenn die Autoren überhaupt erst damit einverstanden sind, dass die Bücher von Google Books angeboten werden. Ansonsten werden die Buchtitel entfernt und der Autor behält seine Rechte.

Ein anderer Grund des Missmuts unter Autoren und Verlagen war die Art und Weise, wie Google das gigantische Projekt umgesetzt hat. Einige Autoren beschwerten sich, dass ihre Werke in den falschen Kategorien eingeordnet waren, andere traf es noch viel schlimmer. Eine japanische Zeitschrift z.B. war insofern betroffen, als dass bei einer kurzen Inhaltswiedergabe von Google nicht berücksichtigt wurde, dass die Zeitschrift senkrecht gelesen wird. Die Sätze wurden allerdings waagrecht eingefügt, wodurch ein sinnloses Wirrwarr das Ergebnis war. Das sorgte dafür, dass der japanische Autor einige Probleme bekam, da ja nun keiner sein Geschriebenes verstand und für voll nehmen konnte.

Die Bemerkung eines Vertreters des Magazins „Wired“, der das Urheberrecht als „überholt und unproduktiv“ bezeichnete, verliert vor diesem Hintergrund jedwede Berechtigung, denn der Fall Google zeigt ganz klar, dass wie jedes Recht auch das Urheberrecht für Ordnung – in dem Fall auf dem Büchermarkt – sorgt. Würde Google das Projekt der Zentralbibliothek weiter verfolgen, hätte es dadurch Monopolstellung auf dem Büchermarkt und das wiederum hätte verheerende Konsequenzen für den Buchhandel.

Aber die Sache ist noch einmal glimpflich verlaufen, Google musste das Projekt 2009 einstellen. Die große Universalbibliothek bleibt damit vorerst weiterhin nur eine Vision.

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