Kulturschock!

Viele Städter träumen von einem idyllischen Leben auf dem Land. Aber wie ist es umgekehrt? Eine Entdeckungsreise durch die Großstadt. 

von Karlo Jurcevic

Für jemanden, der auf dem Land aufgewachsen ist, bedeutet der Wechsel vom beschaulichen Landleben in die Stadt in der Regel erst einmal die Überforderung all seiner Sinne. Seine Augen werden dem bunten Treiben einer touristenüberfüllten Metropole nicht folgen können, denn in seinem Dorf konnte er von einem Ende des Dorfes das andere erblicken. Vermissen wird er es, bei Nacht mit bloßem Auge die Sterne sehen zu können, ohne dafür ein Observatorium besuchen zu müssen. Sein Geruchsinn, der auf Dünger und frische Luft trainiert ist, wird sich erst an den Smog gewöhnen müssen. Wenn er etwas wahrnimmt, so wird es der Geruch des Fettes sein, das in den Imbissbuden brutzelt.

Stadt und Land – so verschieden wie Tag und Nacht. Vor allem nachts, wenn auf dem Land nur noch das Zirpen der Grillen, oft auch das Heulen einer Eule zu hören ist, muss man sich in der Stadt an den Straßenlärm, laute Diskotheken und das Grölen alkoholisierter Fußgänger gewöhnen. Vermutlich sind sogar die Staubablagerungen auf der eigenen Zunge zu schmecken…Ein Bauer wird seinen Garten vermissen, indem er frisches Gemüse und Kräuter anbauen könnte, denn dass er etwas Grün in der Stadt finden wird, das er auch bebauen darf, ist eher unwahrscheinlich. Genauso wird es nicht mehr möglich sein, sich einfach zu Fuß aufzumachen, um wandern zu gehen oder einfach die Natur zu genießen. Wobei das in den städtischen Parks (in denen man auf die Hinterlassenschaften der Hunde achten sollte), genauso möglich ist, man kann Bäume sehen wie im Wald. Man umgeht dabei sogar das Risiko, nachts vor einem Wildschwein zu stehen, vor allem im Frühling sollte man solche Begegnungen ohnehin vermeiden.

In einem Dorf grüßt man sich halt einfach, das gehört zum guten Ton, auch wenn man einander kaum kennt, oder eben nur vom Sehen. Das ist das Gesetz der ländlichen Region, wenn man sich dort zurecht finden will. Aber: Einen Wildfremden in der Stadt grüßen? Da käme man ja aus dem Grüßen gar nicht mehr raus! Nein, in der Stadt genießt man es, anonym zu sein. Deshalb lebt man ja auch hier. Oder etwa nicht?

Das Leben auf dem Land ist schon ganz angenehm: Nehmen wir z.B. die Immobilienpreise her. Wer sich in der Stadt ein schönes Familienheim leisten möchte, muss gut arbeiten dafür (und verdienen). Am Land ist das alles ein wenig anders, die Chancen auf ein Haus mit Garten stehen gut. Da nimmt man dann auch die Kehrseiten des Landlebens in Kauf. So ein Dorf ist eben schon sehr klein….Gerüchte verbreiten sich wie Lauffeuer. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie spazieren (als Mann) mit Ihrer Cousine gleichen Alters, die gerade zum ersten Mal aus der Großstadt zu Besuch ist, zum Dorfwirten. Keine Stunde später kursieren schon die ersten Gerüchte von der Geliebten. Aber das muss man wohl mit Humor nehmen.

Zurück zur eigentlichen Frage – Stadt oder Land, was darf es denn nun sein? Nun, die Antwort muss jeder für sich selbst finden. Und mit dem nötigen Quäntchen Weltoffenheit hält sich der Kulturschock in jedem Fall in Grenzen.

 

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