Natürlich sind die Kühe Schuld!

Kuh in Melchsee-Frutt

Steigende Abgaswerte und warum zuerst die Kühe sparen müssen.

von Leon Teke

Wir alle wissen, dass wir viel zu viele schädliche Abgase produzieren. Natürlich fragen wir uns, wie man die steigenden Abgaswerte verringern kann. Also suchen wir nach einer Lösung, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Wenn wir nach einer Lösung suchen, dann finden wir auch eine oder sogar mehrere. Doch über die Wirksamkeit dieser Ideen lässt sich streiten. 

Eine etwas abwegige, aber doch berechtigte Überlegung ist, den natürlichen Methan-Ausstoß von Kühen zu verringern, da Methan genau wie CO₂ zu den klimarelevanten Treibhausgasen gehört. Dies soll über angepasstes Futter und Fütterungszeiten erfolgen. Anstatt den CO₂- Ausstoß in Fabriken zu senken, schieben wir lieber den Kühen die Schuld in die Schuhe, denn Kühe können sich nicht wehren. Aber wer weiß? Wir können uns nicht wirklich in die Kühe hineinversetzten.

Ich weiß nicht genau, warum ich über Kühe schreibe und nicht über große Fabriken und Industriegebiete, die angefangen haben, ihre CO₂-Emissionen zu senken. Wobei – doch! Ich weiß es: Die Kühe sparen, die Fabriken tun das nicht, also wird über Kühe geschrieben und nicht über die Fabriken, was in vielerlei Hinsicht ziemlich tragisch ist. Rein theoretisch müssten wir Kühe in die Chefetagen großer Industriegebiete setzten und warten bis sich etwas ändert, so wie wir es immer machen. Selber die Initiative zu ergreifen und sich für etwas einzusetzen, trauen sich die wenigsten. Wenn jetzt schon die armen Kühe ihre Abgase bei sich behalten müssen, müssen auch wir bald blähungslindernde Tabletten schlucken?

Obwohl die Kühe nur 1.82% der Gesamtabgasemission produzieren, bekommen sie weitaus mehr Aufmerksamkeit als große Fabriken, die noch mehr klimarelevante Gase wie CO₂ produzieren. Eigentlich verschulden sie sich in keiner Hinsicht, schließlich treiben wir die Viehwirtschaft immer weiter an. Wir sind die Konsumenten von allen möglichen Milchprodukten, dem Fleisch der Tiere und genauso von Leder und allen anderen Produkten, die aus einer Kuh entstehen können. Wir tragen also die Verantwortung, wollen das aber nicht wahrhaben. Wenn jeder von uns auch nur ein wenig auf seine Abgas-Bilanzen achten würde, dürften glückliche Kühe auf glücklichen Wiesen mit glücklichen Bauern so viele Blähungen haben wie sie wollten. Aber das ist leider nur ein vager Traum, der noch in weiter Ferne liegt. Bis dahin darf noch keine Kuh ihre Blähungen ausleben und glücklich sein.

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