„Sie wollen uns müde machen“

Etwa 800 Jahre liegt der Sängerkrieg auf der Wartburg schon zurück. Am 6. September 2013 wurde er in moderner Form wiederbelebt: Der Verein Highslammer e.V. richtete die Landesmeisterschaft der Poetry Slammer von Thüringen auf der Wartburg aus. Und es waren mehr als würdige Nachfolger, die antraten, um den Wettbewerb zu gewinnen, obwohl es darum eigentlich nur in zweiter Linie geht. Im Vordergrund steht nämlich die Freude am Dichten und Vortragen der Texte.
von Raphael Fischer

Die Regeln sind einfach und schnell erklärt: Die Slammer haben sieben Minuten, um ihren selbstgeschriebenen Text vorzutragen. Dabei dürfen sie keine Requisiten benutzen, Körpereinsatz hingegen ist erlaubt und auch erwünscht. Das ist dann aber auch schon alles an Regeln. Vielfalt ist das Motto.

Aller Anfang ist schwer, und deshalb begann der Abend mit „Klötgen und Koslovsky“, die nicht am Wettbewerb beteiligt waren, also außer Konkurrenz auftraten. Sie trugen ein Gedicht vor über Körperhygiene bei Pickeln: „…denn der Ekel kommt von innen“. Dann aber ging es richtig los, der Moderator Matthias Klaß rief die erste Slammerin auf. Weißt du noch, wer Jolly Jumper ist? Für die Jüngeren unter uns: Von Lucky Luke habt ihr bestimmt schon mal etwas gehört, oder? Katharina Tum forderte das Publikum von Anfang an.

Die Zeit schreitet voran und allmählich bricht die Dämmerung herein, als Luise Frenzel anfängt zu singen: „Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm. Es starrt einfach ins Leere und grinst sehr dumm (…) Dünn ja dünn sind alle meine Kleider, dünn ja dünn ist alles, was ich trag. Darum lieb ich alles, was so dünn ist, weil mein Schatz nur dünne Frauen mag.“ Diese Zeilen strotzen nur so von Gesellschaftskritik. Den Abschluss der ersten Runde machte Ulrike, sie verschafft Hoffnung auf eine laue Sommernacht mit Sternenhimmel: Und, ja, es sollte eine solche werden.

Die Pause wurde gefüllt mit Musik, Thüringer Bratwürsten und ersten Gesprächen, wer wohl eine Chance auf das Finale hätte. Nach einer halben Stunde ging es bombig weiter mit Marie Theres. Wer in der Pause müde geworden war, wurde spätestens hier wieder wach. Lyn Penelope legte direkt nach – „kann man ja mal machen“ war ihr Motto – und erfreute das Publikum, indem sie von einer Wanderung mit einem guten Freund berichtete: Sie geht nämlich nicht gerne wandern. Andreas in der Au (kurz AIDA), der Vorjahressieger, stellt seinen Text „Ein Text, der das Wort Liebe in sich trägt“ vor. Denn er ist „seit Mai in der pikären Lage, dass er Freundin zu einer seiner Damen sage“. Im Gegensatz zu dem unverbindlichen „Kann man ja mal machen“, schreibt  Volker Strübing aus Berlin eine „Not to do- Liste“. Damit geht er jeden Abend zufrieden in sein Bett, denn er kann immer alle Punkte abhaken. Den Abschluss machte Katja Hofmann. Sie fing erst mal an zu rappen, bevor sie mit ihrem eigentlichen Text aus der Reihe „Ich hasse Sex mit Menschen, die ich nicht mag. Außer sie bezahlen dafür“ los legte. Schnell wird klar, Sie scheint alles zu hassen, außer Poetry Slam.

Nachdem alle Bewerber durch waren, durfte das Publikum entscheiden, wer ins Finale kommt. Drei würden es schaffen. Mit Spannung wurde das Ergebnis erwartet: Lyn Penelope, Volker Strübing und Katja Hofmann hatten das Publikum schließlich am meisten überzeugt. Noch war für die drei jede Chance offen, als Thüringer Landesmeister zum Bundeswettbewerb des Poetry Slams zu fahren. Lyn Penelope und Katja Hofmann versuchten es mit einem weiteren Text aus ihren Reihen. Es war aber Volker Strübing, der schließlich beim Publikum am meisten punktete. Er beschwerte sich über Supermärkte, in denen ständig umgeräumt wird. „Das macht mich alles so müde. Warum tun die das?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.