Warum Pfadfinder cool sind und was Ihr über die „Pfadis“ wissen solltet

von Andzelika Gürich  

Jeder kennt sie, viele sind oder waren sogar selbst dabei: die Pfadfinder, die weltweit größte Kinder- und Jugendbewegung, der mittlerweile mehr als 41 Millionen Mitglieder auf der ganzen Welt angehören. Es gibt aber auch Menschen, die dem Ganzen etwas skeptisch gegenüber stehen und die meinen, es ginge dabei nur darum, möglichst viele Abzeichen zu sammeln, die ganze Zeit nur die Bäume im Wald zu zählen oder so verrücktes Zeug eben. Aber das stimmt nicht! Pfadfinder sein bedeutet viel mehr. Deshalb werde ich als Pfadfinderin hier einiges darüber erzählen, was bei den Pfadfindern wirklich los ist.

Ich bin seit 2010 Mitglied bei den St. Jakobi Pfadfindern – so heißt unser „Stamm“ – und es macht mir riesig Spaß! Wir treffen uns immer freitags. Zuerst sind die „Frischlinge“ dran, von 14:45 bis 15:45 Uhr. Die gibt es aber erst seit Jahresanfang, weil so viele junge Kinder zu den Pfadfindern wollten und die Gemeinde deshalb eine eigenen Gruppe für die 4- bis 7-Jährigen eröffnete.

Alle Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren gehören zu den „Wölflingen“, sie treffen sich dann im Anschluss um 16 Uhr und beenden ihr Treffen mit einer Andacht um 17:30 Uhr, zu der auch die noch älteren, die „Sipplinge“ (zwölf bis 16 Jahre alt) kommen. Bei der Andacht wird gemeinsam gebetet und gesungen, meistens wird auch ein kurzes Theaterstück aufgeführt, das zum Thema passt. Um 18 Uhr dürfen die Jüngeren dann wieder nach Hause und die Sipplinge „tagen“ bis 19:30 Uhr. Neben den „Frischlingen“, „Wölflingen“ und „Sipplingen“ gibt es aber auch noch die „Akelas“. Das sind die Gruppenleiter, die über 18 Jahre alt sein müssen. Um Akela/Leiter zu werden, muss man Helferkurse absolvieren.

Alle „Pfadis“ tragen eine Kluft (Uniform), diese besteht aus einem grünen Hemd, je nach Stamm kann es Abweichungen in den Abzeichen und Farben geben. Auf dem rechten Arm sind ein Stammesabzeichen und ein Kugel/Anker-Kreuz aufgenäht, das hängt davon ab, ob man konfirmiert ist oder eben nicht. Auf der linken Seite sind Sommerlagerabzeichen, die man wie der Name schon sagt bei den Sommercamps sammelt. Wir waren z.B. schon am Meer oder im Harz. Auf der Brusttasche findet sich das Deutschlandzeichen und die Lutherrose. Je nach Stamm gibt es einige weitere Abzeichen, z.B.  für die Messerprüfung oder Haiks (Wanderungen).

Außerdem trägt jeder Pfadfinder ein Tuch, das wiederum je nach Stamm unterschiedlich aussehen kann. Für jede Gruppe gibt es verschiedene. Um überhaupt in die nächste Stufe zu kommen, muss man eine Prüfung absolvieren. Bei den Wölflingen gibt es z.B. vier Wolfsköpfe, die man sich erarbeiten muss. Pro Jahr findet eine Prüfung statt, wenn man wie ich erst später zu den Pfadfinder kommt kann man zwei Wolfsköpfe überspringen, denn der Inhalt dieser spiegelt sich so ähnlich in den höheren Wolfsköpfen wieder.

Für die Prüfung muss man Unterschiedliches wissen, es kommt natürlich auch darauf an, welche Prüfung man macht. Aber in jeder Prüfung geht es um Natur, Erste Hilfe, den Umgang mit Werkzeug, Tiere, Orientierung und die Bibel. Außerdem gibt es eine Mutprobe, aber die ist harmloser als man denkt.

Auch die eigentlichen Gruppenstunden sind sehr abwechslungsreich. Z.B. gibt es da die Geländespiele, bei denen wir im Wald sind und eine Schnitzeljagd machen mit Teamaufgaben. Eine davon ist das Spinnennetzspiel – ein Spiel, bei dem man als Team durch ein aus Seilen zusammengesetztes, über zwei Bäume gespanntes Spinnennetz gehen muss. Dabei darf ein Loch nur einmal benutzt werden darf. Das funktioniert aber nur, wenn man sich gegenseitig hilft. Und genau darum geht es.

Es gibt aber auch Rätsel oder Orientierungsaufgaben, oder Spiele wie „Catch the Flag“. Dabei muss man andere fangen und die Fahne der anderen zum eigenem Team bringen. Und CLUEDO XXL steht auch manchmal auf dem Plan.

Wir kommen aber natürlich nicht nur zum Spielen zusammen, oft befassen wir uns mit verschiedenen Themen aus der Bibel oder lernen eben all die wichtigen Dinge, die ein Pfadfinder wissen muss. Wir machen aber auch Dinge, die wir uns ausgedacht haben, z.B. Taschen nähen oder kochen und backen. Neulich haben ich und meine Sippe Pizza gemacht und währenddessen etwas über den Pfadfindergründer Baden-Powell gelernt. So lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Aber vor allem geht es um den Dienst an der Gemeinschaft. So sammeln wir z.B. jedes Jahr im April in unserer Stadt Müll auf und haben beim Spielplatzbau des Kindergartens mit geholfen.

Ihr seht, Pfadfinder zu sein macht nicht nur Spaß, sondern ist auch sinnvoll. Wusstet Ihr übrigens, dass jede Sippe nach einem Tier benannt ist? Ich gehöre zu den Fröschen. Das mal nur so nebenbei.

So, das war er also – mein kleiner Einblick in die Welt der Pfadfinder. Vielleicht konnte ich den einen oder anderen von Euch ja dafür begeistern, selbst ein „Pfadi“ zu werden? Also ich empfehle es Euch! Ihr könnt euch ja in Eurer Umgebung mal schlau machen, wo Pfadfindergemeinden sind. Es ist nie zu spät, sich anzumelden. Bei uns gibt es tatsächlich einige, die erst im Erwachsenenalter dazu gestoßen sind. Ich bin sicher, Ihr werdet es nicht bereuen! Wenn ich mal älter bin, möchte ich auch unbedingt eine eigene Gruppe leiten. Dann kann ich der nächsten Generation auch etwas beibringen, was vielleicht doch nicht so unwichtig ist.

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