Ich mag Schokolade, Du auch?

von Karlo Jurcevic

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Ich esse Schokolade für mein Leben gerne, in allen nur möglichen Geschmacksrichtungen, doch wo kommt diese süße Sünde eigentlich her? Auf Bäumen wächst sie bestimmt nicht! Oder doch? Hauptbestandteil von Schokolade ist Kakao, und der wiederum wird aus Kakaobohnen gewonnen, die tatsächlich auf Kakaobäumen wachsen. Aber die sucht man bei uns (leider) vergeblich. Die Hauptanbaugebiete liegen in Afrika und Mittelamerika.

Kakaobohnen sind im rohen Zustand nicht verzehrbar, da sie sehr bitter sind. Erst unsere Fabriken machen sie zur schmackhaften Schokolade. Also ist es für die fleißigen Bauern nicht möglich, mal eben während der Ernte eine dieser dunklen Früchte zu stibitzen, um den eigenen Hunger zu stillen. Dies gilt übrigens auch für den Anbau von Kaffee und Tee, der auch hauptsächlich in diesen Regionen geschieht. Alle drei werden als sogenannte „Cash Crops“ bezeichnet, was bedeutet, dass diese Pflanzen nur zum Export angebaut werden und nicht zum eigenen Verzehr. Natürlich ist das eine hervorragende Geldquelle, doch Geld können die afrikanischen Bauern ebenfalls nicht essen, wenn sie überhaupt etwas von dem Geld sehen, für das sie so hart schuften. So geschieht es, dass vor allem Afrika, obwohl es über unendlich weite Anbauflächen für Landwirtschaft verfügt, aushungert.

Um unseren Heißhunger nach Schokolade zu stillen und unseren täglichen Konsum an Kaffee abzudecken, benötigt es einen schnellstmöglichen Export. Deswegen ist es nötig, in kürzester Zeit möglichst viel zu ernten. Doch das beansprucht den Boden, entweder trocknet er aus oder wird von der Wüste verschluckt, wodurch die große Anzahl an Anbauflächen Jahr für Jahr immer weiter schrumpft. Durch einen schnellen Export fließt sehr viel Geld, doch wohin das fließt ist oftmals nicht gewiss. Die geernteten Kakaobohnen durchlaufen von der Ernte bis zum Eintreffen bei uns ein langen Weg über verschiedenste Zwischenhändler und Markenfirmen, so würde ein Bauer, wenn er Glück hat, an einer Tafel Schokolade wenige Cent verdienen, doch oftmals werden sie ohne Lohn ausgebeutet.

Um die Problematik ein wenig mehr aus der landwirtschaftlichen Sicht zu verstehen, muss man wissen, dass jeder Boden eine andere Zusammensetzung an Nährstoffen hat. Genauso benötigt jede Pflanze andere Nährstoffe. Würde man auf einer Fläche immer dieselben Pflanzen anbauen, so würden auch immer dieselben Nährstoffe verbraucht werden. Und genau das tut man, um Zeit zu sparen. Wenn man also jahrelang Kakaobohnen anbaut, bis die benötigten Nährstoffe verschwinden, so geht der Boden darunter kaputt. Das macht ihn sehr empfindlich, wodurch er schnell austrocknen kann, was beim Wassermangel in Afrika ganz rasch geschieht.

Es gibt einen weiteren Grund für den Verlust von Anbauflächen, der mit der Brachzeit zusammenhängt. Das ist die Zeit, die eine Anbaufläche benötigt, um sich zu regenerieren. Also die Zeit, in der sich verloren gegangene Nährstoffe wiederherstellen könnten. Doch oftmals wird dem Boden diese Regenerationszeit nicht gegönnt, denn die Industrieländer brauchen ihre Cash Crops sofort, nicht nur einmal im Jahr. Somit verlieren die Böden noch schneller ihre Nährstoffe und trocknen noch schneller aus. Und ehe man sich versieht breitet sich die Wüste aus.

Ein weiterer, gern genutzter Weg zur Beschleunigung des Anbaus ist der Einsatz von Chemikalien wie Düngemittel oder Pestizide. Dabei greift man oftmals zu den günstigen Mitteln, die in Europa schon längst verboten sind, da sie für die Menschen eine Gefahr darstellen. So kann es schnell geschehen, dass die Bauern sich selbst und ihre Familien bei der täglichen Arbeit vergiften.

Wenn die Afrikaner dann keine Möglichkeit mehr haben für ihre Familien Nahrung anzubauen, verhungern sie und was die Folge daraus ist, müsste uns allen klar sein. Doch was soll man dagegen tun? Aufhören Schokolade zu essen und Kaffee zu trinken?

Das ist keine Lösung. Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen und die Arbeits- und Lebensbedingungen für die vielen Menschen verbessern, die uns den Genuss dieser Lebensmittel durch ihren unermüdlichen Einsatz erst ermöglichen. Wer Fair Trade-Produkte kauft, leistet schon einen kleinen Beitrag dazu.

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