POL&IS – Ein interaktives Planspiel der Bundeswehr

Wie man Politik spielend erleben und lernen kann

von Luisa Urban

Vollkommen unvoreingenommen mache ich mich am 3. Oktober auf den Weg zur Leipziger Hobby- und Spielemesse. Dort darf ich ein ganzes, noch dazu langes Wochenende (vom 3. bis 6. Oktober) an einem Spiel der Bundeswehr teilnehmen. Alles, was ich darüber weiß, ist, dass das Spiel „POL&IS“ heißt und es sich dabei um ein Politikspiel handelt. Ach ja – und ich durfte mir im Vorfeld schon Pizza zum Mittagessen bestellen. Das Problem, das in mir aber leichte Nervosität aufkommen lässt, ist: Ich habe das Gefühl, dass ich so rein gar nichts über Politik weiß!

Angekommen am Messestand der Jugendoffiziere der Bundeswehr, finde ich mich in einer Runde aus Tischen wieder. Auf jedem steht eine Flagge von einer der vielen Nationen dieser Erde. In der Mitte ist ein Rednerpult aufgebaut und nebenan steht ein riesiger Tisch, der als „Die Börse“ beschriftet ist. Wie passt das alles zusammen?

Die zwei Jugendoffiziere, die mit uns das Wochenende verbringen werden, stellen sich vor und beginnen mit einem Quiz. Schon bei der ersten Frage denke ich: „Na super!“…Ich habe keine Ahnung, wer der Politiker auf dem gezeigten Foto ist und schon gar nicht, welche Funktion er innehat. Die Fragerunde geht also weiter, am Ende sollen wir mit Hilfe einer dynamischen Karte alle EU-Länder in der Reihenfolge ihres Beitritts nennen. Keine leichte Aufgabe! Jede richtige Antwort wird damit belohnt, dass man sich eine Nation aussuchen kann, je zwei Spieler an einem Tisch. So ordnen wir uns den verschiedenen Nationen zu. Der nächste Schritt besteht darin, dass wir in unseren Teams politische Ämter vergeben: Wer wird Regierungschef, wer Staatschef, wer übernimmt das Amt das Wirtschafts- und /oder Umweltministers, etc.?

Als sich dann die Wirtschaftsminister und die Regierungschefs in ihren Runden treffen, geht es daran, die Protokolle für Umwelt, Staatshaushalt und Wirtschaft auszufüllen. Unsere Köpfe rauchen, denn das ist eine ziemliche Herausforderung für uns. Wie sollte man das alles auch in vier Tagen verstehen? Und dann auch noch der Hinweis, dass wir am besten auch gleich für die nächsten POL&IS-Jahre weiterdenken sollten.

Wieder zurück in den Nationen besprechen sich die Teams. Das Ende des ersten POL&IS-Jahres steht bevor und wir sollen eine Rede vorbereiten. Sichtliches Unbehagen macht sich breit, denn nicht nur die Teilnehmer und die Jugendoffiziere am Messestand können zuhören, sondern gleich alle Besucher der Leipziger Messe. Diese rauschen unter großer Lautstärke durch die Messehalle und setzen uns Jungpolitiker noch mehr unter Druck. Doch auch diese Hörde wird gemeistert, und so starten wir mit Silvester in ein neues POL&IS-Jahr. Der Countdown läuft. 10, 9, 8,…, 2,1. Und dann die Nachrichten: In Afrika werden Unruhen laut, denn die Bevölkerung leidet Hunger. Indien hat mit Terroranschlägen der Al-Quaida zu kämpfen und Ozeanien wird durch einen Tornado verwüstet.

So schreiten die POL&IS-Jahre voran. Man füllt Formulare aus, versucht, die oft schlechten Nachrichten in Umwelt- und Politikformularen zu beheben und verhandelt mit den anderen Nationen am großen Börsentisch, um Defizite in Strom oder Industrie auszugleichen. Nachdem man das System der Simulation verstanden hat, fällt auf, wie sehr das Spiel der Realität doch ähnelt. Große Nationen wie die USA machen Profit und produzieren nebenbei auch noch Unmengen an Müllbergen, die das Weltklima bedrohen. Kleinere Länder wie Indien haben stets mit Hunger zu kämpfen.

Am Ende kann ich voller Überzeugung sagen: Dieses Spiel macht wirklich großen Spaß! Fast alles ist möglich und je nach Ausgangssituation der Nation, die man selbst regiert, kann man mit anderen agieren und handeln. Auch aktuelle politische Probleme wie Atomwaffen werden durch die Nachrichten zur Sprache gebracht und fließen in das Spiel ein. Selbst wenn man nicht viel Wissen über Politik besitzt, so versteht man im Nachhinein doch, dass die Realität gar nicht so anders ist.

Für Schüler ist dieses Angebot der Bundeswehr wirklich empfehlenswert und wird in fast jedem Bundesland angeboten. Wer sich dafür interessieren sollte, kann ja mal auf die Website der Jugendoffiziere gucken unter http://www.jugendoffizier.eu/.

 

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