Eine Reise für den guten Zweck

Deutche und burkinische Gewerschafter
Meine Mentorin war diesen Winter drei Wochen in Afrika. Dort hat sie sich unter anderem mit einheimischen Gewerkschaftern getroffen. Darüber wollte ich mehr erfahren, deshalb habe ich sie dazu interviewt. Vielleicht interessiert Euch das ja auch? Dann lest doch gleich mal weiter!

Ein Interview von Karlo Jurcevic

Karlo J.: Tina, Du bist seit einigen Jahren in der Gewerkschaft. Wie kam das und um welche Gewerkschaft handelt es sich?

Tina L.: In meiner Zeit als Lehrerin bin ich Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geworden. Das bin ich auch heute noch, obwohl ich inzwischen pensioniert bin. Diese Gewerkschaft setzt sich für die Interessen aller ein, die im Bildungswesen beschäftigt sind – also LehrerInnen, ErzieherInnen, StudentInnen, Hochschullehrer usw.

Karlo: Und was hat Deine Gewerkschaft mit Afrika zu tun?

Tina L.: Die GEW hat eine Partnerschaft mit der Bildungsgewerkschaft „F-Synter“ von Burkina Faso, einem Land in Westafrika. Das ist eines der ärmsten Länder der Welt bezüglich des Lebensstandards der großen Mehrheit der „Burkinabè“- also der Einwohner dieses Landes.
So eine Partnerschaft will Wissen und Verständnis für die Situation der jeweils anderen vermitteln. Deshalb besucht man sich gegenseitig und unterstützt sich nach Möglichkeit.

Karlo: Du warst also drei Wochen in Burkina Faso. Was hast Du dort genau gemacht?

Tina L.: Ich war vor allem in Ouagadougou, der Hauptstadt, zusammen mit zwei Freundinnen, die auch Lehrerinnen waren und von denen eine inzwischen bereits 14 mal dort gewesen ist! Wir haben uns mit den örtlichen Vertretern von F-Synter getroffen, an zwei Kongressen und einer Kundgebung teilgenommen, Unterstützungsgelder in ein sehr abgelegenes Dorf namens Kolokolo gebracht und darüber hinaus Land und Leute kennen gelernt.

Dankesreden der Schüler

Karlo: Wofür habt Ihr denn Geld in das Dorf gebracht?

Tina L.: Um den Menschen eine Möglichkeit zu geben aus ihrer Armut heraus zu kommen, brauchen sie Arbeit. Deshalb haben wir privat gesammeltes Geld für eine Getreidemühle gebracht, die von den Frauen des Dorfes betrieben wird. So können sie ihre Familien über Wasser halten und das ist nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Denn so können sie selbstständig ihr Leben in die Hand nehmen und sind nicht völlig auf die Unterstützung von Hilfsorganisationen angewiesen.

Außerdem haben wir Spendengelder, die Sabine (eine der beiden Lehrerinnen) selbst erwirtschaftet hat, für die Schulbildung von Kindern bzw. Jugendlichen überbracht. Man kann dort nämlich mit 50.000 Francs CFA (umgerechnet nur 75 €) einem Schulkind ein Jahr lang den Schulbesuch ermöglichen. Es ist eine Schande, dass die Menschen nicht einmal das Geld für ein Minimum an Bildung aufbringen können! 80 % der Menschen in Burkina Faso können weder lesen noch schreiben. F-Synter fordert von der Regierung des Landes, endlich genug für die verfassungsrechtlich garantierte Schulbildung zur Verfügung zu stellen.

Karlo: Also könnte ich mit 75 € ein Kind ein Jahr lang „zur Schule schicken“?

Tina L.: Ja – wobei nicht nur Kinder unterstützt werden, sondern auch junge Erwachsene, die nur so ihre Schulbildung fortsetzen oder beenden können.

Karlo: Bedeutet das, dass manche Schüler die Schule abbrechen müssen, weil sie sie nicht mehr bezahlen können? Damit geht dem sowieso schon so armen Land doch viel Potenzial verloren. Und außerdem ist das ein Teufelskreis: Ungebildete Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken können und denen es dann auch nicht besser gehen kann.

Tina L.: Genau so ist es. Die Kinder und Jugendlichen, die von Sabine Geld bekommen haben, haben bei unserem Besuch in ihrer Schule einen selbstverfassten Sketch aufgeführt, in dem sie darstellten, wie man aus der Schule fliegt, wenn man keine Hefte und Bücher hat. Damit drückten sie ihre große Dankbarkeit aus. Sie wissen nämlich genau, dass sie ohne Schulbildung keine Berufschancen haben werden. Dabei ist das Lernen unter den dortigen Verhältnissen sehr schwierig, denn die Klassen haben oft bis zu 120 SchülerInnen.

Karlo: Dann habe ich es mit meinen 13 Klassenkameraden ja sehr kuschelig! (Beide lachen.)

Tina L.: Allerdings. Außerdem muss man noch wissen, dass von einem Abiturjahrgang jedes Jahr nur etwa 20% bestehen. Alle anderen müssen noch ein Jahr dranhängen – und wieder bezahlen. Entsprechend legen sich vor allem die geförderten SchülerInnen ins Zeug, um das Abi zu schaffen.

Karlo: Das erinnert mich jetzt ein bisschen an uns Stipendiaten. Dabei habe ich – nicht nur in meiner Hauptschulzeit – oft erlebt, dass Mitschüler keinen Bock aufs Lernen hatten, während die Schüler in Burkina Faso jedes Jahr darum bangen müssen, ein weiteres Jahr lernen zu dürfen. Was bei uns eine Selbstverständlichkeit ist, ist dort für die allermeisten unerreichbar.

Vielen Dank, Tina, dass Du Dir Zeit für das Interview genommen hast!

Deutschunterricht mit 49 Schüler

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