Frankreich: Abschiebung aus dem Schulbus

Geschätzt zehn Millionen Roma leben in Europa, rund 400.000 davon in Frankreich. Dort werden ihre Siedlungen oft – meist unangekündigt – zwangsgeräumt. Im Oktober letzten Jahres erregte der Fall eines 15-jährigen Roma-Mädchens Aufsehen, das während eines Schulausfluges von der Polizei abgeholt wurde, da seine Familie abgeschoben werden sollte.
von Noelle Rönsch

Die 15-jährige Leonarda war gerade mit ihrer Schulklasse unterwegs zu einem Schulausflug, als plötzlich der Bus angehalten wurde und Polizisten sie festnahmen. Trotz der Proteste ihrer Lehrer wurde sie abgeführt und noch am gleichen Tag mit ihrer Familie in den Kosovo abgeschoben.

Die Asylanträge der Familie waren abgelehnt worden, nachdem sie bereits fünf Jahre in Frankreich gelebt hatte. Da Leonardas Eltern sich weigerten, das Land zu verlassen, wurden sie und ihre Kinder am 8./9. Oktober 2013 ausgewiesen. Der Vorfall löste landesweit Empörung aus und führte in Paris zu Demonstrationen und Protesten tausender Schüler. Dennoch sind viele Menschen in Frankreich Roma gegenüber negativ eingestellt. Laut des Umfrageinstituts BVA finden 93% der Franzosen, dass Roma sich schlecht in die Gesellschaft Frankreichs integrieren, während 77% die strikte Politik Frankreichs befürworten. Präsident François Hollande hatte sich in seinem Wahlkampf zwar vorgenommen, keine Roma mehr zu vertreiben, aber hat an dieser Politik bis jetzt nichts geändert. Später berief er sich auf die Werte der Republik, zu denen auch gehöre, dass man sich an Gesetze halte, womit er die in ganz Frankreich verfolgte Geschichte der Abschiebung Leonardas zu rechtfertigen versuchte.

Die linke Partei Frankreichs machte für diesen Vorfall den Innenminister Manuel Valls, eigentlich einen der beliebtesten französischen Politiker, verantwortlich und forderte seinen Rücktritt, da er sich schon vorher durch Aussagen gegen Roma unbeliebt gemacht hatte.

Nachdem Valls daraufhin weitere Untersuchungen zur Abschiebung von Leonardas Familie in Auftrag gab, stellte man zwar fest, dass die Abschiebung rechtmäßig war, Präsident Hollande bot Leonarda allerdings an, allein nach Frankreich zurückzukehren. Das Mädchen lehnte das Angebot ab: „Ich werde meine Familie nicht zurücklassen.“

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