Mein Leseleben – Ein Leseerlebnis für den Deutschlehrer

von Gregor Gindlin

Bereits Voltaire meinte: „Beim Lesen guter Bücher wächst die Seele empor.“ Dem kann ich eigentlich nur zustimmen. Denn keine Leidenschaft hat mich so inspiriert wie diese. Deshalb erzähle ich euch nun meine persönliche Geschichte vom Lesen: Seit mir mein Großvater bereits im Kindergartenalter das Lesen beibrachte, ließ es mich nicht mehr los. Wie ungemein praktisch war es doch zu erfahren, dass der gutmütig dreinschauende Mann mit gelbem Helm und die ebenso freundliche Vogelscheuche auf den Namen „Bob der Baumeister“ und „Knolle“ hörten. Auch war einem die Anerkennung der restlichen Schüler gewiss, wenn man als frischer ABC-Schütze vor staunendem Publikum bereits die Öffnungszeiten des Sekretariats kundtun konnte. Mit meinen Lesekünsten kann ich zwar heute keine Schülerschar mehr zum Staunen bringen, aber beim Lesen bin ich geblieben. Auf Öffnungszeiten folgten wunderschöne Kindergeschichten, wie die von den Lausbuben Max und Moritz, die ich leider ohne Beachtung der moralischen Sentenz, jedoch mit großer Begeisterung verschlang. Mit viel Freude denke ich gerne daran zurück, wie ich viele Stunden lang in den Abenteuern des „kleinen Prinzen“ schwelgte und ihn als Kind in Gedanken auf jedem Schritt seiner Reise begleitete. Mit dem Alter wuchs dann auch die Dicke der Bücher. Mit Beginn des Gymnasiums standen Krimis ganz hoch im Kurs. Erst waren „TKKG“, dann „Die drei ???“ Vorbild für die eigene Detektivkarriere. Auch einem Abenteurerleben wie dem von Tom Sawyer und Huckleberry Finn war ich nicht abgeneigt. Besonders faszinierte mich später die Illusion einer vollständigen Welt, die in den vier Teilen von „Eragon“ erschaffen wurde. Man kann diese Faszination gar nicht recht beschreiben, man muss sie erleben.

Mit zunehmendem Alter kamen auch Sachbücher dazu. So war und ist die dreihundert Jahre andauernde dramatische Suche nach dem Beweis für DAS mathematische Rätsel schlechthin – nämlich den ironischerweise von jedem Jugendlichen zu begreifenden letzten Satz von Fermat (berühmter Mathematiker des 17. Jahrhunderts) – für mich noch immer spannender als die meisten Kriminalromane. Mittlerweile stehen schon mit „Schuld und Sühne“ von Fjodor M. Dostojewski oder „Der Zauberberg“ von Thomas Mann Klassiker der Weltliteratur in meinem Bücherschrank, die ich nicht mehr missen möchte. Das von mir zuletzt gelesene Buch ist „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt, ein grandioses, wie ich meine. Und für Nachschub ist auch gesorgt, denn es steht schon ein Stapel mit Ibsen, Balzac, Zweig, Tschechow und Salinger auf meinem Nachttisch, welchen ich mit großer Neugier abarbeiten werde.

Ein Leben ohne Lesen – das wäre nichts für mich. Und weil man als Autor eines jeden Textes stets einen Bogen spannen soll, schließe ich, wie ich begonnen habe, nämlich mit einem Zitat von John James Osborne: „Auch das schlechteste Buch hat seine gute Seite: die letzte.“

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