Vor hundert Jahren, als der Erste Weltkrieg ausbrach…

Die Welt teilten sich die europäischen Großmächte untereinander auf, doch war ihnen das nicht genug. Hegemonie im eigenen Kulturkreis war wichtig. Rache schürte Kriegslust, monarchische Konflikte eskalierten. Der erste Kaiser des neuen Deutschen Reiches von 1871 hatte einen klugen Kanzler, Otto von Bismarck, zur Seite. Der Erste Weltkrieg scheint hingegen unüberlegt verfochten worden zu sein.

von Raphael Fischer

Einhundert Jahre sind vergangen seit dem Beginn des Ersten Weltkrieges – einem Krieg, der voller Begeisterung angefangen wurde und in einer der schlimmsten Katastrophen des 20. Jahrhunderts endete. Sieben Millionen Tote, unzählige Verletzte – die modernen Waffen machten es möglich.

Der ständige Fortschritt von Waffen in der Geschichte der Menschheit hatte im Laufe des 19. Jahrhunderts dazu geführt, dass sich die Soldaten auf dem Schlachtfeld kaum noch Auge in Auge gegenüberstanden. Er begann bereits mit dem Einsatz von Bogen in der Jungsteinzeit, wurde in der Antike durch die ersten Katapulte weitergeführt und hörte mit der Einführung von Gewehren im Mittelalter noch lange nicht auf. Seit dem 17. Jahrhundert gab es erste Schlachten, die nahezu vollständig in Schützengräben ausgetragen wurden, und im Ersten Weltkrieg wurde die Taktik des sogenannten Stellungskrieges auf die Spitze getrieben.

Denn eine schnelle Offensive zu starten, wie es z.B. in den Napoleonischen Kriegen oft funktioniert hat, war zu dieser Zeit nicht mehr möglich. Auf voreilige Angriffe im Ersten Weltkrieg folgten meist Massengräber der Angreifenden. Das lag unter anderem an dem Einsatz von Maschinengewehren, welche dazu in der Lage waren, innerhalb kürzester Zeit ganze Armeen zu vernichten, solange diese ungeschützt waren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gewehren konnten sie wesentlich häufiger schießen, ohne nachgeladen zu werden. Daher wurde das Maschinengewehr neben dem Einsatz von Handgranaten zur Hauptfeuerwaffe der Infanterie.

Durch den Krieg in Schützengräben gelang es allerdings keiner Partei mehr, die Vorderhand auf dem Schlachtfeld zu gewinnen, weshalb dieser auf einem anderen Weg entschieden werden musste. Die befeindeten Länder hatten in diesem Punkt unterschiedliche Ansätze.

Deutschland verließ sich anfangs größtenteils auf den Einsatz von Giftgas, obwohl es ebenso wie die anderen europäischen Großmächte die Haager Landkriegsordnung von 1899 unterschrieben hatte, welche den Einsatz chemischer Waffen untersagte. Eingesetzt wurde es zum ersten Mal in der Schlacht bei Ypern am 22. April 1915. Da die Alliierten bei dieser Schlacht noch nicht mit Gasmasken ausgestattet waren, starben ca. 3.000 Soldaten und weitere 7.000 waren gasgeschädigt. Wegen seiner großen Wirkung fand der Einsatz von Giftgas schon bald auch auf Seiten der Alliierten statt.

England hatte jedoch noch andere Mittel in der Rückhand. Es begann im Februar 1916 mit der Serienanfertigung von gepanzerten Kampffahrzeugen, die Löcher in die deutschen Verteidigungsanlagen schlagen sollten. Der erste Großeinsatz dieser Fahrzeuge, am 20. November 1917 in der Schlacht bei Cambrai, mit immerhin 378 sogenannten „tanks“ und 96 Hilfspanzern, war erfolgreich und die deutschen Truppen mussten ihre Front nach der Offensive auflockern.

Neben Panzern kam im Ersten Weltkrieg auch verstärkt die Luftwaffe zum Einsatz. Anfangs war diese noch sehr ineffektiv, da man lediglich einige Handgranaten mit an Bord nehmen konnte, die von oben abgeworfen wurden. Das änderte sich erneut durch die Alliierten, welche ein Maschinengewehr an den Rumpf des Kampfflugzeuges anbrachten. In der bereits erwähnten Schlacht bei Cambrai wurden neben den Panzern auch 400 Flugzeuge eingesetzt. Die deutschen Entwickler waren in der Entwicklung ihrer Luftwaffe etwas langsamer und konnten nur aufgrund einer Notlandung eines Alliierten die eingesetzte Technik herausfinden und übernehmen.

Alle diese neuen Waffen, die teilweise erstmals im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurden, führten dazu, dass sich eine andere Art der Kriegsführung etablierte. So spielten strategische Überlegungen keine übergeordnete Rolle mehr, sondern vielmehr die Entwicklung von Kriegsgeräten durch Forschung und Waffenindustrie im Hintergrund, der massenhafte Waffeneinsatz und der damit verbundene immense Materialeinsatz im Stellungskrieg. Somit ähnelt der erste Weltkrieg schon stark den heutigen „modernen“ Kriegen.

Das machte den Krieg für die Soldaten nicht gerade leichter, denn sie sahen oft über Jahre und Monate hinweg nichts anderes als den Schützengraben um sich herum. Langweilig wurde der Krieg zwar bestimmt nicht, aber es gab keine Abwechslung von den Kriegserfahrungen. Somit war es Soldaten nicht möglich, die Kriegsgeschehnisse und -erlebnisse zu verarbeiten.

Während im Dreißigjährigen Krieg unterschiedlichen Konfessionen zugehörige Bauern und Soldaten für eine bestimmte Sache einstanden, war ein solcher Sinn des Krieges für den einzelnen Soldaten nicht mehr greifbar. Man tötete, ohne zu wissen, wen man tötet. Man kämpfte nicht aus einem ehrwürdigen Gedanken heraus, wie es vor allem Ritter im Mittelalter taten, sondern weil man dazu beauftragt wurde. Man kämpfte nicht seinen eigenen Kampf, sondern den des Vaterlandes. War 1914 jeder Mann im Krieg noch ein patriotischer Kämpfer, wandelten die Eindrücke des Krieges das Empfinden der Kämpfer in ein erdrückendes Gemisch aus Angst und Furcht – man verlor sich selbst sowohl in der Weite und dem Leid des Krieges, als auch in der Masse an Soldaten.

Der Beginn des Ersten Weltkrieges jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Das ist Anlass für uns alle, an die Opfer dieses grausamen Krieges zu denken und dafür zu sorgen, dass sich ein solcher Krieg nicht mehr wiederholt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.