Unser Praktikum bei Herrenknecht

ein Bericht von Karyna Gorlovska, Oktay Gürkale, Dennis Egenrieder, Cynthia Lim, Ivana Pavlovic, Zeteos Habte und Yonaiker Vasquez

 
Schwanau. Sagt Euch dieser Ort etwas? Nein, wahrscheinlich nicht. Jedoch hat dieses kleine Dörfchen etwas ganz Großes: Die Herrenknecht AG. Die Herrenknecht AG ist ein Unternehmen, das sich auf Tunnelvortriebstechnik spezialisiert hat, und das ziemlich erfolgreich. Und um von diesem Erfolg ein wenig zurück zu geben, engagiert sich das Unternehmen auch für die Gesellschaft. So fördert die Herrenknecht AG seit 2011 das Deutsche Schülerstipendium in Baden-Württemberg, also uns. Und so kommt es, dass wir – Cynthia, Ivana, Karyna, Dennis, Oktay, Yonaiker und Zeteos – in den Osterferien die tolle Gelegenheit hatten, ein viertätiges Praktikum in dem Unternehmen zu absolvieren.

Am ersten Tag um 08:45 Uhr standen wir, sieben Stipendiaten und unsere Betreuerin Frau Grams, vor dem Eingang des Finanzgebäudes der Herrenknecht AG und waren schon sehr gespannt auf unsere Praktika in den Bereichen Marketing, Personalmanagement, Einkauf, Geologie, Konstruktion im Bereich Traffic Tunnelling (Tunnelbohrmaschinen mit einem Durchmesser von > 4,2m, die vor allem im Verkehr eingesetzt werden), Konstruktion im Bereich Utility Tunnelling (Tunnelbohrmaschinen mit einem Durchmesser < 4,2m, die für Versorgungstunnel eingesetzt werden) sowie Forschung und Entwicklung. Bei der herzlichen Begrüßung durch die Personalreferentin Frau Witt klärte sich schnell, dass  der uns vorgeschriebene Dresscode sich als ein wenig zu streng erwiesen hatte. Dies erleichterte die Auswahl der Arbeitskleidung für die nächsten Tage. Nach einer 90-minütigen Präsentation über die Herrenknecht AG und ihre Produkte erwartete uns eine kleine Führung durch verschiedene Abteilungen und Werke des Unternehmens. Und dann ging es auch schon los.

Im Laufe der Woche durfte jeder von uns sehr viel über die verschiedenen Abteilungen Herrenknecht AG erfahren:

Im Bereich der Geologie, konkret in der Abteilung Forschung und Entwicklung Utility Tunnelling, konnte sich Oktay über die Maschinenfunktionen informieren und sein Wissen über die Geologie erweitern. So standen neben dem Einarbeiten in die Gesteinsgruppen der Sedimente, Magmatite und Metamorphite auch die Betrachtung von Gesteinsproben sowie Bohrprobenauswertungen auf dem Plan. Besonderes Interesse erregte die Werksführung mit dem betreuenden Geologen und das Gespräch über die Zusammenhänge der Bereiche Ingenieurgeologie, Hydrogeologie, Rohstoffgeologie und der klassischen Geologie.

Im Bereich Einkauf lernte Karyna vieles über die notwendigen Einzelteile für die Maschinen der Firma und durfte diese auch zusammen mit den Mitarbeitern der zuständigen kaufmännischen Abteilungen in den Bereichen Traffic Tunnelling und Utility Tunnelling bei verschiedenen Anbietern bestellen. Später bekam sie sogar die Aufgabe, Telefonate mit den vielen Anbietern zu führen und durfte selbstständig nach Informationen über notwendige Lieferungen fragen.

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Cynthia war im Bereich „Marketing und Unternehmenskommunikation“ tätig. Dort geht es vor allem darum, für das Unternehmen zu sprechen und zu werben, Statements für das Unternehmen an die Presse zu geben, Veröffentlichungen in Magazinen, Broschüren u.a. oder auch Pressemitteilungen und Homepagetexte zu verfassen. Eine weitere Aufgabe ist das Sponsoring. Das alles bedeutet viel Zeit vor dem Computer und Kommunikation zwischen den Kollegen per E-Mail. Das Presse-Clipping war die tägliche Hauptaufgabe der Praktikantin. Dies beinhaltete das Durchlesen diverser Magazine oder Zeitungen, das Suchen nach relevanten Themen für die Herrenknecht AG und das Zusammenfassen dieser Artikel. Dadurch ist das Unternehmen immer „up to date“.

Zeteos war in der Abteilung Konstruktion im Teilbereich Utility Tunnelling. Dort werden die „kleinen“ Tunnelbohrmaschinen (TBMs) konstruiert. Es wird hier hauptsächlich mit einem Computerprogramm namens CAD zur Konstruktion der kleinen TBMs gearbeitet. Zeteos durfte zunächst selbst technische Zeichnungen per Hand fertigen, später dann mit dem Computer. Außer den technischen Zeichnungen lernte er auch einiges über die Spannungen, das Widerstandsmoment und weitere physikalische Dinge, die man braucht, um eine sichere TBM zu bauen.

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Das Highlight der Woche war der Besuch des 3D-Raums von Herrenknecht, in dem man TBMs erlebt als wäre man mitten drin!

Neben dem Praktikum konnte Zeteos auch seinen Mentor treffen, der als Chief Financial Officer bei der Herrenknecht AG beschäftigt ist. Die beiden nutzten die Gelegenheit für einige gemeinsame Unternehmungen.

„Technisches Produktdesign“ oder grob „Konstruktion“ hieß der Bereich, in dem Dennis mitarbeiten durfte. Am Anfang wurde er über verschiedene Perspektiven aufgeklärt, bevor er anfing, selbst Figuren zu zeichnen. Am PC brachte man Dennis den Umgang mit dem Modellierungsprogramm Creo Elements näher.  Zuerst modellierte er einfache Figuren, bis es mit der Zeit an komplexe Bauteile ging. Nicht nur analytische und kreative Fähigkeiten sind hier gefragt, auch mathematische Kenntnisse sind von großer Bedeutung, um Längen, Flächen und Volumen zu berechnen. Das Modellieren ist auf jeden Fall ein anspruchsvoller Job, bei dem man viel Konzentration benötigt.

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Im Bereich Personalmanagement konnte Ivana – neben dem alltäglichen Bewerbungs- und Schriftverkehr in der Verwaltung – im Trainingscenter erste Einblicke in die Seminarplanung für die Mitarbeiter und in die Förderprogramme zur Weiterbildung bekommen. Auch die Ausbildungswerkstatt, in der die Azubis beschäftigt sind, durfte sie sich anschauen und bei der Organisation behilflich sein. Der Höhepunkt des Praktikums war jedoch das Bewerbungsgespräch eines ausländischen Praktikanten, bei dem sie assistierte. Im Großen und Ganzen ist dies ein sehr abwechslungsreicher Bereich, bei dem man viel mit Menschen zu tun hat.

Im Bereich Forschung und Entwicklung, Abteilung Projektierung der Business Unit Traffic Tunnelling, konnte Yonaiker erfolgreich sein Praktikum absolvieren. Seine Tätigkeitsschwerpunkte bestanden darin, ein Visualisierungsbild für eine Tunnelvortriebsmaschine zu erstellen, Variablen an Visualisierungselemente zuzuweisen und neu definierte Variablen an eine bestehende Variablenliste anzupassen. Zusätzlich hatte er die Möglichkeit mit der Programmiersoftware STEP 7 und mit Hilfe des Programmierbeispiels AMPEL ein Programm für eine spezifische Steuerungsaufgabe zu entwerfen. Außerdem hat er sein Wissen über manche Tunnelvortriebsmaschinen erweitern können, wie zum Beispiel über den Erddruckschild (engl. Earth Pressure Balance Shield, kurz EPB), oder auch den Mixschild, ein Spezialist für sicheren und wirtschaftlichen Vortrieb in heterogenen Baugründen oder bei hohem Wasserdruck. Zu guter Letzt kennt er jetzt das wohl größte, längste, bekannteste und erfolgreichste Projekt der Herrenknecht AG: Den Gotthard-Basistunnel in der Schweiz, der mit Hilfe von vier Herrenknecht-Gripper-Tunnelbohrmaschinen zum längsten Tunnel der Welt gehört.

Allerdings war das Arbeiten in der Herrenknecht AG nicht das einzige „Highlight“ der ganzen Woche! Spannend war auch die tägliche Suche nach einer Möglichkeit zum Abendessen, die sich in der nicht allzu dicht besiedelten Umgebung als eine gewisse Herausforderung darstellte. Da unser Hotel kein Abendessen zur Verfügung stellte, irrten wir, Stipendiaten und unsere Betreuerin Darja, in den naheliegenden Gemeinden Schwanau, Lahr und Ottenheim umher auf der verzweifelten Jagd nach unserem „ersehnten Abendmahl“.

Besonders stolz waren wir natürlich, dass sich auch der SWR für unsere Praktika interessierte und wir nebenbei ein Interview geben durften.

Kurz und gut: Die vier Tage bei der Herrenknecht AG waren eine sehr spannende und lehrreiche Zeit, die wir nicht missen möchten. Vielen Dank an alle, die uns dieses Praktikum ermöglicht haben!

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