POL&IS – Politik und Militär

Politik scheint oft kompliziert und undurchschaubar. Inzwischen schließt sie auch internationale Vertragskomplexe ein – beispielsweise die UNO. Um uns dennoch einen Überblick über die Abläufe auf internationaler Ebene verschaffen zu können, nahmen wir, 21 Stipendiaten, die Herausforderung an, Politik selbst zu simulieren.

von Marian Losse und Michael Rother

Politik und Internationale Sicherheit – das ist der Name eines weltpolitischen Simulationsspiels, welches von der Bundeswehr mit Jugendlichen ab der Klassenstufe 10 durchgeführt wird. Dabei geht es maßgeblich um die Strukturen der UNO und den Einfluss dieser auf das Weltgeschehen sowie unser tägliches Leben.

Zu Beginn des Seminars erhielten wir von unseren drei Seminarleitern, Jugendoffizieren der Bundeswehr, eine bildlich ansprechende Übersicht über die Ziele und die Hindernisse des großen Schiffes „UNO“.
Darunter fanden wir natürlich auch die höchsten Anliegen dieses Bündnisses: Frieden und internationale Sicherheit. Diese edlen und ebenso kaum erreichbaren Ziele sollten uns in den folgenden Tagen maßgeblich beeinflussen.

Die United Nations Organization besteht derzeit aus 193 Mitgliedsstaaten. Um mit POL&IS aber handhabbar umgehen zu können, werden alle Nationen in 13 Regionen zusammengefasst, anstatt jedes Land einzeln zu betrachten. Aufgrund der verminderten Teilnehmeranzahl wurden nur 9 Regionen (Nordamerika, Europa, Japan, Arabien, Russland, China, Südamerika, Indien und Afrika) simuliert. Dabei agierte je ein Stipendiat als Wirtschafts- & Umweltminister oder Regierungschef & Staatsminister einer Region.

Der Wirtschafts- und Umweltminister einer jeden Region stand in der Verantwortung, mithilfe unterschiedlicher Formulare die vorhandenen Mengen verschiedener Güterklassen, zum Beispiel Agrar- oder Industriegüter, zu ermitteln.
Dementsprechend konnte der Haushalt eines Jahres errechnet werden, der selbstverständlich enorm vom regionalen Bedarf an Gütern abhängt. Man musste also seinem Volk genügend von Allem zur Verfügung stellen, sonst streikte die Bevölkerung und es fielen Betriebe aus. In Extremfällen gab es sogar große Auswanderungsströme.
Da die Bevölkerung in allen POL&IS Regionen außer Russland steigt, wächst natürlich auch der Bedarf. Um diesen weiter decken zu können, muss man mit erwirtschafteten Gütern neue Produktionsanlagen errichten.
Weil man beispielsweise in den Wüsten der arabischen Länder aber nur schwerlich Agrarindustrie ansiedeln kann, gab es auch einen Markt, an dem die Minister in vorgegebenen Zeiten Handelsgüter frei tauschen konnten, um den Haushalt zu konsolidieren. Falls Bedarf daran bestand, konnte man auch dauerhafte Abkommen in Form von Wirtschaftsverträgen festhalten.
Um das Planspiel der Realität näher zu bringen, konnten wirtschaftsstarke Regionen wie Europa auch Auslandsinvestitionen in schwächeren Regionen tätigen, um diesen zu helfen.

Die Staatsminister bzw. Regierungschefs waren unterdessen damit beschäftigt, die übrig gebliebenen Ressourcen zu verwenden, um ab- bzw. aufzurüsten sowie internationale Truppeneinsätze zu finanzieren und durchzuführen.
Neben Polizisten, See-, Land- und Luftstreitkräften konnten auch Diplomaten und Entwicklungshelfer eingesetzt und außer konventionellen auch atomare (A-)und biochemische(BC-) Waffen verwendet werden.
Alle diese als Chips dargestellten Truppen konnten eingesetzt werden, um von der einflussreichen Spielleitung ausgelegte und erklärte Bedrohungen wie z.B. Drogenkartelle, organisierte Kriminalität, Guerillakämpfer oder Piraten auf der POL&IS-Weltkarte zu bekämpfen.

Zu sehen ist die POL&IS- Weltkarte mit den Regionen sowie einigen Krisenherden: Der Staatsminister Südamerikas klärt ein Drogenkartell auf. In Anlehnung an die Realität musste ein Krisengebiet immer erst aufgeklärt werden, beispielsweise um Aufständische zu erfassen. Anschließend konnte zwischen den Fronten mithilfe von Diplomaten vermittelt oder der Konflikt durch Waffengewalt gelöst werden.

Um diese Probleme nachhaltig zu beseitigen war es aber ebenfalls notwendig, politische Programme zu schreiben. Diese wurden durch die Jugendoffiziere geprüft und bewertet, sodass sich positive sowie negative Auswirkungen in den simulierten Folgejahren bemerkbar machten. Da diese Konsequenzen der Simulation angepasst waren, beeinflussten sie den Lerneffekt entscheidend – nach Interessen und Ethik der Spielleitung. Ob Konflikte tatsächlich entsprechend ausarten würden, kann weder dementiert noch bekräftigt werden, ehe sie uns real ereilen.
So drohten den Regierenden Hungersnöte, Aufstände oder Streiks als soziale Bewegungen und schädliche Ereignisse, und nicht als Chancen auf Umverteilung oder demokratische Teilhabe des Volkes. Dieser Umstand ist sowohl dem Spielaufbau als auch dem Anspruch der Rollen-Empathie geschuldet.

Da die Bundeswehr selbst in ihrer Rolle sehr authentisch agierte, bleibt ein gewisser Zweifel zurück:
Zwar sind die Begründungen der Spielleitung für bestimmte Simulationsmanöver Rechtfertigungs-ansätze mit realem Bezug, bewerten das Geschehen aber immer nur aus ihrer entsprechenden (sicher auch realpolitisch verwobenen) Sicht. Hinzu kommt, dass die Präsenz der Bundeswehr durch Schlüsselanhänger und Schriftzüge einen latenten Werbecharakter besaß.
Was bleiben muss, ist dementsprechend eine gesunde Kritik dafür, ob militärischer Einsatz wirklich immer notwendig ist. Das hängt sicher auch ganz davon ab, was man darunter im Einzelnen versteht, aber der Einsatz von Waffengewalt muss – so wie wir es in POL&IS sehen konnten – als politische Option genügen und nicht zum Selbstzweck werden.

Doch neben der Simulation waren wir mit der Stiftung auch kulturell unterwegs. Wir bekamen z.B. die Möglichkeit, den Naumburger Dom zu besichtigen, welcher als Weltkulturerbe nominiert wurde.
In dem Hotel in Naumburg gab es umfangreiche Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Demzufolge kegelten wir, spielten Basketball, Volleyball und Fußball.
Wir haben als Weltgemeinschaft sogar unsere eigenen kleinen olympischen Spiele veranstaltet.

Was wir neben dem Wissen über die UNO noch mit nach Hause nahmen, waren einige Tipps, wie wir unsere Redekompetenzen erweitern können. Die entsprechenden rhetorischen Hinweise erhielten wir von den Jugendoffizieren, um unsere Reden vor der UN-Vollversammlung und in den Gremien zu verbessern.

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