Krakau

von Gregor Gindlin und Karlo Jurcevic

Donnerstag, 29. Mai 2014 Heute morgen sind wir nach einer eher unruhigen Nacht (Großstadtlärm und Neonlichter wiegten uns in den Schlaf) in der alten Königsstadt Krakau aufgewacht. Zum Frühstück stand schon das wichtigste Ereignis des Tages an: Philip, Stipendiat aus Sachsen, feierte seinen 18. Geburtstag. Neben Brötchen und typisch polnischen Aufstrichen standen zahlreiche Kuchen und Torten bereit, die auch für den ganzen Tag zu unserer Hauptnahrungsquelle wurden.

Nach dem Frühstück holte uns um 9:00 Uhr eine Touristenführerin namens Julia am Eingang des Hotels ab. Mit viel Charme und Elan präsentierte sie uns „ihre“ Stadt Krakau. Begeistert stand sie vor einem Kruzifix von Veit Stoß (1) in der Marienkirche am Hauptmarkt und lobte es in höchsten Tönen, da es aus einem einzigen Steinklotz geschlagen worden war. An anderer Stelle zeigte sie uns die mittelalterliche Stadtburg Krakaus „Wawel“ (2), von der aus sich ein wunderbares Panorama über das Flüsschen Weichsel und die Innenstadt darbot. Höhepunkt der Führung war ein virtuoses Trompetensolo, das vom höchsten Kirchenturm der Stadt auf uns hernieder ging.

Schließlich bedankten wir uns für diesen ganz persönlichen Einblick in die Historie und Gegenwart der Stadt Krakau und machten uns auf den Weg in ein nahe gelegenes typisch polnisches Restaurant, in welchem die erste schwierige Aufgabe darin bestand, die Speisekarte zu lesen. Das Essen schmeckte nach einer endlos langen Wartezeit von etwa anderthalb Stunden umso besser. Um ehrlich zu sein waren wir alle überrascht, wie hervorragend die uns dargebotenen Speisen mundeten.

Frisch gestärkt machten wir uns auf zur nächsten – eher streng-seriösen – Führung auf den Spuren des Lebens der jüdischen Gemeinschaft durch den traditionellen Stadtteil Kazimierz (Kaschimirsch gesprochen) und das ehemalige Krakauer Ghetto. Faszinierend war es, wie gut unseren Männern die jüdische Kopfbedeckung namens Kippa stand, die wir beim Besuch der Synagoge und des jüdischen Friedhofes aufsetzen mussten. Viele waren ebenso erstaunt so viele Drehorte des weltbekannten Filmes „Schindlers Liste“ wieder zu erkennen und sich an die Szenen aus diesem Klassiker zu erinnern. Dazu gehörte der Besuch der Fabrik Oskar Schindlers, der in dieser hunderte Juden vor dem Holocaust bewahrte.

Um unseren Hunger zu stillen nach diesem beschwerlichen, anstrengenden, fußaufreibenden Marathon-Führungstag gingen wir ins Ariel (3), ein jüdisches Restaurant in dem wir mehrere religionstypische Gänge serviert bekamen. Zuvor erklärte uns noch unsere Führerin, dass ein orthodoxer Jude (streng gläubig) dort nicht essen würde, da dort auch nicht alles immer koscher sei. Es hat trotzdem gut geschmeckt.

Alles in Allem war es ein sehr informativer Tag, vor allem für unseren Gaumen. Aber auch unser Wissensdurst wurde durch zahlreiche informative Fakten und bemerkenswerte Anekdoten über Krakau gestillt.
Am späten Abend ließen wir den Geburtstag von Phillip mit einem Gläschen Robby Bubbre (4) und einer Runde Werwolf (5) ausklingen.

(1) Genialer Bildhauer bzw. -schnitzer der Spätgotik (um 1500 n.Chr.), der hauptsächlich in Krakau und Nürnberg tätig war
(2) Der Begriff kommt von dem polnischen „wąwóz“, was Schlucht bedeutet. Sie wurde deshalb so genannt, weil am Fuße des Berges eine große Höhle in den Berg führt, die sogenannte Drachenhöhle.
(3) Witzigerweise kommt der Name aus dem Hebräischen und bedeutet „Feuerherd Gottes“, was eindeutig passend ist für ein Restaurant.
(4) Alkoholfreier Sekt für Kinder
(5) spannendes Gesellschaftsspiel für größere Gruppen

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