Oświęcim

von Marcus Scholz

Nach einer erholsamen Nacht und einem gut schmeckenden Frühstück in Krakau machten wir uns auf den Weg nach Oświęcim, den meisten bekannt als – Auschwitz.

Unser erster Programmpunkt in Oświęcim war eine Stadtführung. Gleich zu Beginn wurde uns deutlich gemacht, dass Oświęcim und Auschwitz nicht dasselbe sind. Auschwitz ist der deutsche Name des Ortes. Spricht man jedoch heute von Auschwitz, ist meist das Konzentrationslager gemeint, während der Ort weitgehend auf polnisch bezeichnet wird, also Oświęcim.

Wir lernten, wie die jüdische Bevölkerung lebte und ihren Alltag bestritt. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren 60% der Bevölkerung in Oświęcim jüdisch und somit war es auch nicht verwunderlich, dass es zahlreiche Synagogen und jüdische Schlachthäuser in der Stadt gab. Als wir erfuhren, wie die Juden aus dem Ort vertrieben und wie aus Nachbarn und Freunden Feinde wurden, waren wir alle tief betroffen.

Nach der Stadtführung besuchten wir das Jüdische Zentrum vor Ort, das ein kleines Museum beinhaltet. Auch hier bekamen wir eine kleine Führung und besuchten die letzte Synagoge, die es noch in Oświęcim  gibt und die in das Zentrum integriert ist. In diesem kleinen Museum sind Schicksale von vertriebenen Juden dargestellt, die einst in Oświęcim lebten.

Nach diesen interessanten Führungen durch die Stadt und das Museum machten wir uns auf in die Jugendherberge. Dort bekamen wir Mittagessen und konnten wohl gestärkt in den nächsten Programmpunkt starten, welcher den Namen „Kinder über den Holocaust“ trug. Wir haben uns mit drei Kindern beschäftigt, die verschiedene Schicksale erleiden mussten. Somit haben wir uns auch in drei Gruppen geteilt, um das Erlebte auszuwerten. Wir haben Material in Form von Erzählungen der Kinder gestellt bekommen und uns intensiv damit beschäftigt. Es war sehr interessant zu erfahren, wie unterschiedlich die Schicksalsschläge der Kinder waren und wie sie das Beste aus einer scheinbar ausweglosen Situation machten. Ein Mädchen beispielsweise verlor seine gesamte Familie in Konzentrations- und Vernichtungslagern, während es selbst überlebte, indem es sich in verschiedenen Haushalten versteckt hielt.

Nach diesem Seminarteil hatten wir ein wenig Pause, um das Erlebte ruhen zu lassen – und die hatten wir auch bitter nötig, denn wir waren alle sehr ergriffen von den Eindrücken des Tages. 

Am Abend kamen wir alle noch einmal zusammen, um uns auf den kommenden Tag vorzubereiten. Uns war klar, dass wir am nächsten Tag nach Auschwitz-Birkenau gehen würden und dass das nicht einfach würde. Wir haben uns zwei Filme angesehen, die sich mit dem Aufenthalt in und der Befreiung von Auschwitz befassten. Es war nicht leicht für uns bei diesen Filmen die Fassung zu wahren nicht gleich in Tränen auszubrechen, denn es wurde sehr deutlich dargestellt, wie die Nationalsozialisten Juden behandelt und anschließend ermordet haben. Einer dieser Filme war „Auschwitz“, indem der Alltag im Vernichtungslager als Spielfilm dargestellt wurde.

Durch die Filme wurde uns noch einmal bewusst, dass wir am morgigen Tag vor Ort sein würden, und zwar dort, wo das alles geschah. Wir alle hatten große Bedenken vor dem Besuch des KZ Auschwitz, denn wir wussten nicht, was uns dort erwarten würde. 

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