Abreise aus Oświęcim

von Umeer Khan

Am Sonntag, den 01.Juni 2014, war es so weit, der letzte Tag unserer Reise war angebrochen.  Zum Abschluss hatten wir die einzigartige Gelegenheit, einem Zeitzeugen und seiner Lebensgeschichte zuzuhören. Als Jude ist er in den jüdischen Ghettos aufgewachsen, gemeinsam mit seiner Mutter, die in seinen Armen starb. Er berichtete von den grausamen Taten, die er gesehen hatte, einem Säugling, der seiner Mutter entrissen und dabei in Stücke gerissen wurde. Menschen, die auf den Straßen lagen, halbtot. Sein Glück war es gewesen, als Elektriker ausgebildet zu werden, was ihn am Leben erhielt. Auch die Tatsache, dass sich unterhalb seiner Wohnung eine Bäckerei befand. Als Elektriker blieb ihm in den Lagern und Arbeitsstätten, zu denen er deportiert wurde, die anstrengendste Arbeit erspart, weil er dafür zuständig war, die Elektronik zu installieren. Er wurde zwar schließlich nach Buchenwald deportiert und war später am Aufbau einer Art Fabrik in der Nähe beteiligt, aber am Ende gelang ihm die Flucht. Dabei erfuhr er, dass der Krieg endlich vorbei sei.

 Zeitzeuge

Nach dem Zeitzeugengespräch gingen wir zum Mittagessen, dann hieß es Abschied voneinander nehmen. Die Eindrücke der letzten Tage saßen tief, dementsprechend war die Stimmung beim Abschied sehr gedrückt. Was wir in diesen Tagen gesehen haben, hat uns alle sehr traurig gemacht und der Schock über das Unfassbare sitzt tief. Aber wir alle sind uns einig, dass wir für die Möglichkeit dieser Reise sehr dankbar sind, weil sie uns geprägt hat und wir diese Erfahrung um nichts in der Welt missen möchte. Es ist wichtig, sich mit diesem vielleicht grausamsten Kapitel der Geschichte auseinanderzusetzen, um zu verstehen – sofern wir, die wir so viele Jahre danach geboren sind, überhaupt annähernd begreifen können, was damals geschehen ist.

Nach einer etwas anstrengenden Rückreise sind alle gut zu Hause angekommen – jeder von uns vielleicht ein wenig erwachsener und erfüllt mit riesigem Respekt vor dem Leben, das wir führen dürfen.

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