Glück im Unglück

76 Schüler und sechs Lehrer können sich gerade so aus einem brennenden Bus retten

von Andzelika Gürich

Es war Sonntagabend, als ich mich von meinen Freunden verabschiedete und ihnen viel Spaß in England wünschte. Keiner ahnte, was in einigen Stunden passieren sollte.

So machten sich 76 Schüler und sechs Lehrer in der Nacht von Sonntag (29. Juni) auf Montag um 1:25 Uhr mit dem Bus nach England auf. Alle der Achtklässler waren in riesiger Vorfreude auf die kommenden Tage, deshalb rechnete niemand mit so etwas. Meine Freundin Büsra berichtet, dass es schon beim Einsteigen in den Bus sehr muffig roch. Vor allem in der oberen Hälfte war es sehr stickig. Der Busfahrer schaltete die Klimaanlage an. Er dachte erst nur, dass diese defekt sei. Einige Schüler bekamen schwer Luft, doch der Busfahrer wollte erst später eine Pause machen. Die Lage verbesserte sich dann doch, aber nur kurz.

Der Bus brannte hinten schon, als der Busfahrer auf eine Tankstelle fuhr. Rauch stieg auf, als der Busfahrer den Doppeldecker an der Tankstelle zum Stehen brachte. Alle drängelten raus. Mandy, ebenfalls eine Augenzeugin, die unten saß, hatte keine Zeit mehr, ihre persönlichen Sachen zu nehmen, da sie bereits aus dem Bus gezogen wurde. Die Lehrer eilten auch schon aus dem Bus. Es dauerte eine Weile, bis auch die letzten den Ernst der Lage erkannt hatten. Die Schüler im unteren Busbereich waren schnell nach draußen gelangt, aber in der oberen Hälfte wurde heftig gedrängelt. Alle wollten schnell raus. Büsra wie auch viele andere schnappten sich nur schnell ihre Tasche und versuchten rauszukommen. Sie mussten durch den Rauch rennen und fingen an zu husten. Nur wenige Sekunden später, als der Letzte aus dem Bus sprang, knallte es laut. Die Fenster des Busses zersprangen.

Das Unglück geschah in der Nähe von Hamburg, also sehr Nahe am Startort. Nach etwa 20 Minuten kam dann die Feuerwehr und versuchte, das Feuer zu löschen. Es dauerte ewig, meinte Büsra. Die Jugendlichen mussten ungefähr zwei Stunden auf einen neuen Bus warten. Einige hatten Glück und konnten von ihren Eltern abgeholt werden. Nach dem Vorfall war es nur zu verständlich, dass manche keine Lust mehr hatten, wieder in einen Bus zu steigen. Außerdem hatten die Schüler fast gar nichts mehr und mussten in der Kälte stehen, da nicht alle in das Tankstellenrestaurant konnten. Ein Schüler musste sogar mit einem Schock in ein Krankenhaus gebracht werden.

Am nächsten Tag:
Ich war mit Büsra am Nachmittag zur Schule gefahren, da dort die Koffer oder eher die Reste der Koffer ausgeteilt worden. Es stank fürchterlich, als der LKW aufgemacht wurde. Erst wurde der ganze Müll rausgeholt, also das, was gar nicht mehr zu gebrauchen war. Das waren sehr viele Müllsäcke. Darauf folgten Koffer, die auch Totalschaden erlitten hatten. Auch die Koffer, die von außen noch annehmbar aussahen, waren letztlich nicht besser, denn die Inhalte waren völlig hinüber. Büsras Kleidung zeigte deutliche Spuren von dem Feuer und bei Mandys Koffer fehlte gleich eine Ecke, vom Zustand des Inhalts gar nicht zu sprechen. Eine andere Schülerin hat gar keine Klamotten mehr.

Viele Wertsachen wie Handys, Tablets, Taschengeld (durchschnittlich 200€) und Ladekabel waren beschädigt. Es fehlten alle Personalausweise. Sie waren zwar im Innenraum, der noch nicht geleert wurde, aber auch da bestand wenig Hoffnung. So gingen die meisten mit verbrannten Koffern oder überhaupt mit leeren Händen nach Hause.

Jetzt sollen die Schüler eine Liste von den Dingen erstellen, die ersetzt werden müssen und den ungefähren Preiswert angeben. Vorteilhaft ist es da, wenn man Beweisbilder hat.

Es wird auf jeden Fall ein Ersatzprogramm für die verunglückte Reise geben. Wahrscheinlich werden die Schüler doch nach den Sommerferien nach England fahren. Der Grund, warum das Fahrzeug plötzlich zu brennen begann, ist aber noch nicht bekannt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.