Weltkulturerbe und Erinnerungskultur – 1. Regionales Treffen der bayerischen Alumni am 26. Juli 2014

von Olivia Schmitt-Walter und Stefan Drechsler

Regensburg – die Stadt an der Donau, die länger als München bayerische Hauptstadt war und deren Altstadt seit geraumer Zeit UNESCO-Weltkulturerbe ist – war Veranstaltungsort des 1. Regionalen Alumnitreffens der Roland Berger Stiftung in Bayern.

Bei herrlichem Sommerwetter traf sich ein halbes Dutzend Alumni aus dem ganzen Freistaat am Hauptbahnhof, am Eingangstor gewissermaßen zu einer der ältesten Städte Deutschlands. Eine historische Stadtführung, die am Anfang des gemeinsamen Samstags stand, sollte die Alumni durch knapp zweitausend Jahre Geschichte führen – und so konnten wir an den Baudenkmälern der Altstadt wie dem Dom, den Resten der römischen Stadtmauer, dem Bischofshof und der Steinernen Brücke dem Aufstieg und zwischenzeitlichen Niedergang der Stadt an der Donau nachspüren. Und auch als zugezogener Regensburger konnte man dabei noch einiges lernen, zum Beispiel, dass Regensburg – sehr zum Ärger der Nürnberger – sich damit schmücken darf, die älteste Wurstküche Deutschlands – übrigens direkt an der Donau – zu beherbergen. Oder dass Regensburg im Mittelalter ein Drehkreuz des Handels zwischen Italien und Ostmitteleuropa darstellte – und welche herausgehobene Rolle die örtliche jüdische Gemeinde dabei spielte.

Und immer wieder die Frage: Wie geht eine Stadt wie Regensburg mit ihrem kulturellen Erbe um? Wie kann die historische Bausubstanz erhalten werden und zugleich die Altstadt ein lebenswertes Wohnquartier bleiben? Wie ist Stadtentwicklung auch als Weltkulturerbe der UNESCO – man denke nur an die Waldschlösschenbrücke in Dresden – möglich? Fragen, die sich viele Orte in Bayern und ganz Deutschland angesichts von explodierenden Mietpreisen und demographischem Wandel immer häufiger stellen müssen.

Mit dem Rad ging es dann am Nachmittag zu einem zweiten Regensburger Erinnerungsort: zur Walhalla bei Donaustauf, jenem pompösen, einem griechischen Tempel nachempfundenen Bauwerk Leo von Klenzes, in dem bis heute die Büsten großer Persönlichkeiten „deutscher Zunge“ Aufnahme finden – von Friedrich Barbarossa, Katharina der Großen und Albrecht Dürer bis hin zu Sophie Scholl und Albert Einstein.

Ein Architekturdenkmal aus dem 19. Jahrhundert mit grandiosem Blick über das Donautal und zugleich Stein gewordene Frage: Wie geht Deutschland mit seinem nun zweifelsohne überhaupt nicht einfachen historischen Erbe um? Und wer ist eigentlich geeignet, in eine „Ruhmeshalle“, wie sie König Ludwig I. mit der Walhalla gewollt hatte, aufgenommen zu werden? Politiker und Könige? Dichter und Philosophen? Wissenschaftler und Musiker?

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Nach diesem anspruchsvollen und angesichts der gemeinsamen Radtour durchaus auch körperlich anstrengenden Programm konnten wir den Tag gemeinsam in einem Regensburger Biergarten ausklingen lassen. Ein Abschluss einer Veranstaltung zu Erinnerungskultur und Weltkulturerbe in der Domstadt mit vielleicht ganz ordentlichem kulinarischen, aber kaum kulturellem Nährwert, könnte man nun denken.

Weit gefehlt! Warum? Als Kronzeuge rufen wir den großen bayerischen Philosophen Gerhard Polt auf: „Wir hier in Bayern trinken das Bier schon seit Jahrtausenden – und zwar aus kultureller Verantwortung heraus.“ Na denn – auf das nächste Treffen der bayerischen Alumni mit Kultur und Geschichte, Gemeinschaftserlebnis und hoffentlich wieder bei Kaiserwetter!

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