„Eine Chance im Leben geben“ – Interview mit Dorothee Stein-Gehring

Dorothee Stein-Gehring ist der Roland Berger Stiftung schon lange eng verbunden. Wie es dazu kam und warum sie sich so für die Stiftung engagiert, erzählt sie im Interview mit Isso-Redakteur Karlo Jurcevic (Alumnus aus Baden-Württemberg).

 


Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es den Förderverein des Deutschen Schülerstipendiums. Wie kam es zu seiner Gründung und was sind die Aufgaben und Ziele des Vereins? 

In den Jurys zum Stipendium und den späteren Förderplangesprächen haben wir immer öfter festgestellt, dass in manchen Familien unserer Stipendiaten neben den finanziellen Möglichkeiten für die gezielte Förderung oft auch die kleinsten Dinge fehlen. Die kann die Stiftung aber nicht alle abdecken, beziehungsweise darf sie das gar nicht, weil sie das Geld ja ausschließlich in die Bildung der Stipendiaten investieren soll und möchte. Vor diesem Hintergrund haben wir uns nach einigen längeren Gesprächen dazu entschieden, den Förderverein des Deutschen Schülerstipendiums zu gründen, der eben genau diese Defizite ausgleichen soll. Die Unterstützung reicht von der Vermittlung und Finanzierung von Musikinstrumenten, Fahrrädern, Zahnregulierungen bis hin zur Anschaffung von Sportkleidung. Oder wenn ein Stipendiat zum Beispiel ein Auslandsjahr absolviert, bekommt er über den Verein ein Taschengeld dafür.

Als Mitglieder des Fördervereins wollen wir die Stipendiaten aber auch dabei unterstützen, ihren Weg zu finden. So organisieren wir zum Beispiel auch Berufsinformationsveranstaltungen, auf denen die Vereinsmitglieder Einblick in ihr eigenes Berufsleben und ihren Werdegang geben. Auch die Vermittlung von Praktika liegt uns am Herzen, weil wir wissen, wie wichtig erste Berufserfahrung ist.

Sie sind der Roland Berger Stiftung von Anfang an eng verbunden. Wie kam es dazu? 

Professor Berger, den ich schon länger kenne, und ich saßen mehrmals bei privaten Einladungen zufällig nebeneinander und eines Tages kam er auf seine Stiftung zu sprechen. Er brauchte nicht lange, um mich zu überzeugen, dabei mitzumachen!

Was ist Ihre Motivation, die Stiftung, das Deutsche Schülerstipendium und jetzt auch den Förderverein so tatkräftig zu unterstützen und in welcher Weise tun Sie das?

Mein Mann und ich haben selbst sechs Kinder und wissen, wie wichtig gute Förderung ist. Mir ist aber sehr wohl bewusst, dass nicht alle Kinder die Chance auf einen solchen Start ins Leben haben.

Seit geraumer Zeit bin ich Mitglied in den verschiedenen Jurys für das Deutsche Schülerstipendium und diese Erfahrung hat mich dazu veranlasst, auch aktiv nach Förderern und Spendern zu suchen, damit noch mehr Kinder aufgenommen werden können.

Da ich heute im Vorstand des Fördervereins bin, hat sich das ausgeweitet und das bedeutet, dass ich ständig auf der Suche nach neuen Mitgliedern und Spendern für dieses einzigartige Programm bin.

Was ist für Sie das Besondere am Deutschen Schülerstipendium?

Das Besondere ist für mich das tolle Management, das auf Regina Pötke als Vorstand zurück geht. Nur, wenn der „Apparat“ im Hintergrund funktioniert, kann ein solch einmaliges Projekt auch tatsächlich „greifen“. Jeder Stipendiat bekommt einen individuellen Förderplan, der ihn in zehn Lernbereichen unterstützt. Und jeder Stipendiat bekommt einen Mentor, der ihn durch alle Lebenslagen hindurch begleitet. Sommerkurse werden organisiert und viele Dinge mehr. Dafür braucht es eben die beste Organisation mit den besten Mitarbeitern.

Gibt es ähnliche Projekte, für die Sie sich in der Vergangenheit schon stark gemacht haben?

Ich bin im Stiftungsrat der Bürgerstiftung in Stuttgart, im Vorstand der Hanns Martin Schleyer-Stiftung, im Kuratorium der Merz Akademie Stuttgart und an der staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart. Eigentlich hat das alles etwas mit Jugendlichen zu tun, wenn auch in unterschiedlicher Form.

Die Idee der Stiftung bzw. des Stipendiums beruht auf Geben und Nehmen. Was ist Ihr persönlicher „Return of Investment“ für Ihr Engagement?

Mein Return ist, dass die Stipendiaten eine Chance im Leben in Deutschland bekommen; gelingt dies, ist das die größte Freude für mich.

Sie haben bei der Probenwoche in Blaubeuren einen ersten Einblick in unser künstlerisches Jahresprojekt „Eloise“ gewonnen. Was ist Ihr erster Eindruck von dem Projekt? Und welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach künstlerische Projekte wie dieses für uns Kinder und Jugendliche? 

Blaubeuren hat mich sehr beindruckt. Das Team der Bayerischen Staatsoper bei der Arbeit mit den vielen Kindern und Jugendlichen zu sehen, war hochspannend, und das beste Gefühl war, dass offenbar alle mit Begeisterung mitgemacht haben. Ein solches Projekt lehrt im starken Maße Gruppendisziplin und extremen Zusammenhalt. Und obendrein macht es auch noch Spaß! Dies Dinge sind auch im Berufsleben notwendig und deshalb in jeder Art und Weise zu fördern. Abgesehen davon, freue ich mich jetzt schon riesig auf die mit Sicherheit tolle Aufführung der Stipendiaten im Juli!


Zur Person:
Dorothee Stein-Gehring besuchte das Wirtschaftsgymnasium in Stuttgart. Nach einer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin absolvierte sie ein BWL-Aufbaustudium (3-jähriges Universitätsseminar auf Schloss Gracht) mit Endseminar bei Professor Simon. 1979 trat sie in die Firma Gehring ein (Hersteller für Sonderwerkzeugmaschinen als Automobilzulieferer). Dort war Dorothee Stein-Gehring zunächst für internationale Vertriebsaufgaben zuständig und war anschließend als Assistentin der Geschäftsführung tätig, ehe sie 1985 selbst zur Geschäftsführerin ernannt wurde.

Vor fünf Jahren wurde die Firma an eine internationale Unternehmensgruppe aus Tschechien mit Schwerpunkt Maschinenbau verkauft. Seither verfolgte Frau Stein-Gehring einige selbständige unternehmerische Tätigkeiten in einem Startup mit folgenden Schwerpunkten: Entwicklung und Vertrieb verschiedener Gehhilfen und Entwicklung und Produktion einer kleinen Werkzeugmaschine im Verbund von Werkzeugmaschinenherstellern. Außerdem ist das Startup der europäische Standort eines großen chinesischen Automobilzulieferers.

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