Mein Finnland-Tagebuch, 2

von Lena Dieterle

Jetzt bin ich schon seit ca. zweieinhalb Monaten hier!!! Wie die Zeit vergeht… Ich kann mich noch so gut erinnern, wie ich mich auf die Reise gemacht habe. Auf die Reise ins Unbekannte, das mir mittlerweile gar nicht mehr so unbekannt ist.

Finnische Sprache…
…ist gar nicht so schwer. Bevor ich hierher gekommen bin, haben mich alle vorgewarnt, wie kompliziert und schwer Finnisch sei. Lohnt es sich überhaupt, Finnisch zu lernen? Sich die Mühe zu machen und dann eine Sprache zu sprechen, die nur wenige Millionen Menschen ebenso sprechen. JA! Es lohnt sich! Also gut, bis jetzt kann ich noch nicht wirklich Finnisch sprechen, aber ich arbeite daran und ich merke, wie es Tag für Tag, Woche für Woche besser wird. Kurzen Smalltalk, kurze Fragen, kurze Antworten und den Kern des Dialoges verstehen sowie fähig zu sein, ein Kinderbuch zu lesen, sind meine ersten Erfolgserlebnisse. Mit dem Wachsen meiner Finnisch-Kenntnisse erleichtert sich der Umgang mit meinen Gastgeschwistern, vor allem mit den beiden kleinen Mädchen, enorm. Ich genieße es, jeden Tag mit meinen Geschwistern kurze Gespräche zu führen, gemeinsam Spiele zu spielen oder Kinderbücher anzuschauen. Es ist so viel einfacher, eine Sprache zu lernen, wenn man sich in einem Land befindet, in dem diese Sprache auch „lebt“. Die Motivation, neue Wörter und Grammatik zu erlernen, steigt wie von selbst, wenn sich die Einheimischen freuen, dass du versuchst, in ihrer Sprache zu kommunizieren, oder wenn du auf einmal registrierst, dass du verstanden hast, was die anderen Leute am Tisch gerade erzählt haben. Die Wörter, die dir am Anfang so fremd vorkamen, sind dir jetzt bekannt und du lernst die neue Sprache, die dich durch dein Auslandsjahr begleitet, zu lieben. Mein persönliches Lieblingswort: täytyä (gesprochen: täütüä, deutsch: müssen).

Finnisches Wetter…
Der finnische Herbst und der Winteranfang sind wirklich so kalt, nass und nebelig, wie es sich die meisten vorstellen. Der Herbst ist vor einigen Wochen auch schon wieder weitergezogen und an ein paar Tagen sind wir bei -2° bis -5° aus dem Haus gegangen. Der Wind, der über die Straßen und zwischen den Häusern hindurch fegt, macht das Ganze noch unangenehmer. Und die Dunkelheit lässt auch schon grüßen. Die Tage werden kürzer und kürzer. Ich bin mal gespannt wie das weiter geht. Ab Weihnachten soll es wieder heller werden. Hoffnung ist also in Sicht, doch bis dahin muss man sich ein wenig durchkämpfen und darf die Trostlosigkeit des Wetters nicht die eigene Stimmung vermiesen lassen. Doch umso ungemütlicher es draußen wird, desto gemütlicher wird es in den Häusern. Der Ofen wird nahezu jeden Tag angemacht und Kerzen und Lichter im oder am Haus werden angezündet.

Und was machen die Finnen so, wenn es dunkel wird?? Sie nehmen am Orientierungslauf im Wald teil. Orientierungslauf ist eine beliebte Sportart in Finnland. Es gibt organisierte Veranstaltungen, bei denen man sich vor Ort anmelden kann. Man sucht sich eine Route aus, wobei man normal zwischen 2, 3, 5 und 7 km entscheiden kann, und macht sich mit Hilfe des Kompasses auf die Suche nach den auf der Karte markierten Stationen. Ein Gerät zeichnet die Uhrzeiten auf, an denen man die Stationen antrifft. Im Sommer wird diese Sportart tagsüber ausgeführt, doch zur dunklen Jahreszeit muss man sich anpassen. Mein Gastvater und ich haben vor ein paar Wochen am Nachtorientierungslauf teilgenommen und wir sind, trotz Schwierigkeiten bei der Orientierung, heil angekommen.

Austauschjahr hin oder her, ein neues Leben in einem neuen Land wird irgendwann auch zum Alltag. Mittlerweile kenne ich die meisten Leute in meiner Umgebung und in meiner Großfamilie und der tägliche Schulbesuch ist eher langweilig als aufregend. Doch gerade das macht es interessant. Ohne es zu merken wird man Teil einer Kultur. Man nimmt ein Stück weit die Gewohnheiten, die Denkweise, die Mentalität und eben den Alltag an, den auch die anderen Einheimischen hier führen. Man denkt nicht mehr über all das nach, was neu ist, sondern über all das, was neu war und jetzt schon so normal erscheint. So wollte ich zum Beispiel bereits nicht mehr auf die vier Mahlzeiten am Tag verzichten oder auf den Brotkäse, den wir manchmal zum Salat und manchmal mit Marmelade zum Kaffee essen. Ich würde die finnische Sprache jetzt schon vermissen, die mir Tag für Tag besser gefällt, und kann mir nicht vorstellen, nächstes Jahr wieder zweieinhalb Flugstunden von meiner Familie, die ich fest in mein Herz geschlossen habe, entfernt zu wohnen.

 

 

 

 

 

 

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