Über das Malen – Interview mit der Stipendiatin Karyna

von Elisabeth Bauer

Schon bei der letzten Probe für das Jahresprojekt „Eloise“ im Oktober 2014 bemerkte ich, dass Karyna, eine Stipendiatin aus Baden-Württemberg, sehr gut zeichnen kann. Anlässlich dessen führte ich mit ihr ein Interview über ihr Hobby.

Elisabeth: Gibt es einen bestimmten Grund, warum du zeichnest?

Karyna: Nein, das Malen macht mir einfach Spaß und lässt mich den Alltagsstress für kurze Zeit vergessen. Ich glaube, diese Aktivität ist einfach eine gute Entspannungsübung für mich.

Elisabeth: Seit wann zeichnest du und wie entwickelte sich dein Hobby?

Karyna: Ich zeichne, male und bastle (früher Bilder und Kärtchen, heute Schmuck mit Rocailles-Perlen) schon von klein auf. Heute gehört es immer noch zu meinen Hobbys. Laut meinen Eltern kritzelte ich Bilder, noch bevor ich sprechen konnte. Aus diesem Grund besuchte ich im Alter von fünf Jahren einen Kunstkurs in der Kunstschule meines früheren Wohnortes. Außerdem nahm ich an vielen Kunstwettbewerben teil, welche manchmal weniger erfolgreich, oft aber mit Erfolg ausgingen. Somit konnte ich mich immer weiter verbessen und gleichzeitig von anderen Kindern etwas Neues abschauen.

Der Unterricht in der Kunstschule endete für mich im Alter von zahn Jahren mit dem Umzug nach Deutschland. Dort malte ich in meiner Freizeit weiter, weil mich das Hobby nicht losließ. Schließlich fand ich sogar einen russischen Künstler, welcher mir Kunstunterricht erteilte. Allerdings nur etwa drei Monate, weil ich wegen des normalen Schulunterrichts und der knappen Freizeit keine Zeit mehr dafür aufwenden konnte. Trotzdem hielt ich am Zeichnen in meiner freien Zeit fest und seither lerne ich selbstständig Neues dazu.

Karyna Gorlovska_3

Elisabeth: Du hast von Wettbewerben erzählt, bei denen du in deinen Kindheitstagen mitgemacht hast. Was waren dort deine größten Erfolge?

Karyna: Da es sich bei diesen Wettbewerben um Kinderwettbewerbe handelte, gab es keine besonders großen Zeichenerfolge in diesem Sinn. Jedoch wurden meine Bilder beispielsweise in den Gängen der Kunstschule sehr oft ausgestellt. Einmal kam sogar ein Kamerateam des Fernsehkanals meiner Heimatstadt zu Besuch in die Kunstschule, um meine Kunstgruppe und mich zu interviewen. Eine Woche später waren wir im Fernsehen! Das hat mich richtig stolz gemacht. In meiner jetzigen Schule habe ich weiterhin in der Unterstufe an einem Malwettbewerb teilgenommen und dabei nützliche Malutensilien gewonnen.

Elisabeth: Wirklich beachtlich. War es deswegen auch wichtig, dass dich hier in Deutschland ein russischer Künstler unterrichtet hat? Oder was war daran besonders? Und ist dieser Künstler bekannt?

Karyna: Es gibt keine besonderen Gründe, warum mich ein russischer Künstler unterrichtet hat. Mein Ziel war es nur, einen Kunstkurs zu finden, solange ich noch genug Freizeit dafür hatte, um diesen zu besuchen. Über diesen Unterricht wurde ich durch Bekannte informiert. Er war sehr interessant und lehrreich. Der Künstler selbst organisiert viele Ausstellungen und Ausflüge. Er ist in Mannheim sehr bekannt.

Elisabeth: Dann würde mich noch interessieren: Was zeichnest du überhaupt? Ist es mit Fantasie verbunden?

Karyna: Erfundene Figuren, Märchenlandschaften und ähnliches gehörten nie zu meinen Stärken. Mir fehlt dazu ein wenig die Kreativität. Deshalb konzentriere ich mich mehr auf die realistischen Sachen wie die Natur, den Menschen, Gebäude oder einfach nur Objekte. Als Beispiel: Eine Blumenvase mit Blumen oder eine Kaffeetasse. Das hört sich für einige vielleicht langweilig an, aber ich versuche so, interessante Geschehnisse aus dem Alltag auf dem Papier festzuhalten. Es kann jedoch auch vorkommen, dass ich einfach zeichne, was mir gerade einfällt.

Karyna Gorlovska_2

Elisabeth: Und wie bringst du deine Ideen auf das Blatt? Machst du Fotos oder setzt du dich vor ein reales Motiv und fängst einfach an?

Karyna: Ich mag es nicht, immer auf dieselbe Art und Weise zu zeichnen. Aus diesem Grund probiere ich gerne neue Farben oder Stifte aus. Ich verwende beispielsweise Acryl, Gouache, Aquarell, Pastellkreide oder gewöhnliche Blei- und Buntstifte. Manchmal kann es auch zu verschiedenen Kombinationen der Genannten Farben und Kreiden kommen. Gelegentlich nehme ich mir eine Fotografie zur Hand, die mir gefällt, und zeichne diese ab. Bevorzugt zeichne ich aber, was mir gerade in den Sinn kommt und bin spontan. Oft habe ich Pinsel und Farben schon vorbereitet, weiß jedoch gar nicht, was ich malen soll. Wenn eine Idee da ist, folgen sofort ganz viele andere und so puzzle ich meist ein Bild zusammen.

Elisabeth: Hast du dabei einen bestimmten Zeichenstil?

Karyna: Ich kann nicht genau sagen, ob ich einen besonderen Zeichenstil habe. Mein Fokus liegt darauf, Realistisches realistisch zu zeichnen, es aber bunter und fröhlicher wirken zu lassen. In Wirklichkeit ist das natürlich nicht so, man kann es dennoch auf dem Papier so verändern. Deswegen zeichne ich bei einem Foto beispielsweise nicht alles genau gleich ab, sondern setze die einzelnen Elemente der Fotografie mit ein paar Farbveränderungen neu zusammen. Bei Objekten dagegen achte ich strikt darauf, dass ich möglichst nichts vergesse und haargenau das Gleiche male.

Elisabeth: Heißt das, dass du deine Gefühle durch das Zeichnen zum Ausdruck bringen willst? Also wenn du fröhlich bist, machst du alles bunter?

Karyna: Nein, eigentlich zeichne ich unabhängig von meiner Laune. Trotzdem spiegelt sie sich in meinen Bildern manchmal wieder. Wenn ich schlecht gelaunt bin, kann es vorkommen, dass zu viele Regenwolken am Himmel entstehen oder ohne Absicht wird alles viel zu dunkel nach meinem Geschmack. Wenn ich dagegen gut gelaunt bin, scheint „das Wetter“ der Zeichnung deutlich besser zu werden.

Elisabeth: So professionell wie du dich anhörst, hast du sicher schon am Computer gezeichnet. Macht dir das Spaß?

Karyna: Ich versuchte schon des Öfteren, mit verschiedenen Programmen am Computer zu zeichnen. Zwar sind diese wirklich gut, weil sie viele Möglichkeiten anbieten, aber ich mag sie trotzdem nicht besonders. Mit einer Maus das passende Werkzeug auf dem Bildschirm zu bestimmen oder echte Pinsel in der Hand zu spüren, sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge. Ich fokussiere mich lieber auf letzteres.

Elisabeth: Das glaube ich und es hört sich echt schwierig an. Findest du, dass das Zeichnen eine Begabung oder etwas Erlernbares ist?

Karyna: Ich glaube, jeder kann alles lernen, wenn er oder sie es wirklich möchte. Um Zeichen und Malen zu lernen, braucht man nur genug Motivation, etwas Geduld und natürlich Malutensilien.

Elisabeth: Das macht mir Hoffnung…Zum Abschluss noch eine Frage an dich: Möchtest du später beruflich in Richtung Kunst gehen oder bleibt das eine Freizeitaktivität?

Karyna: Leider gibt es nicht viele gute Berufe mit künstlerischer Basis, von denen man gut leben kann. Die Berufsperspektiven sind nicht besonders gut. Deshalb bin ich mir noch nicht sicher, ob ich beruflich etwas mit Kunst machen werde. Eines weiß ich aber: Es wird immer mein Hobby bleiben!

Elisabeth: Dann vielen Dank, dass du dir für dieses Gespräch Zeit genommen hast!

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