Interview über den Beruf eines Bibliothekars

von Elisabeth Bauer

Im Rahmen meines 4-tägigen BOGY-Praktikums (Berufsorientierung am Gymnasium) vom 24.02. – 27.02.2015 in der Stadtbibliothek in Herrenberg, meinem Wohnort, interviewte ich die Auszubildende Anna-Sophie Dannecker über den Beruf Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste & Bibliothekarin.

Elisabeth: Zunächst: Was ist der Unterschied zwischen dem Beruf Bibliothekarin und Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste?

Anna: Da gibt es kaum einen Unterschied. Nur dass früher der Beruf, den man erlernen konnte, Bibliothekarin hieß, heutzutage wird der Begriff Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste angewendet, wenn man eine Ausbildung absolviert. Beim Studium heißt es aber wiederum Bibliothekarin.

Elisabeth: Super zu erfahren. Das erklärt einiges, was mir noch unklar war. Gut, dann meine Frage: Was macht man als Bibliothekar überhaupt?

Anna: Man hat an sich die gleichen Aufgaben wie der FaMI (Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste). Man arbeitet jedoch nicht in allen Aufgabenfeldern einer Bücherei mit. Als Beispiel nenne ich Julia Gruber aus unserer Bücherei. Sie ist Bibliothekarin und arbeitet z.B. eher selten an der Theke mit. Eigentlich passiert das sogar nur, wenn Not am Mann ist. Dafür sitzt sie an unserer Information. Dort gibt sie den Lesern Auskünfte über die unterschiedlichsten Dinge, zum Beispiel über Referate. Ansonsten trifft man sie eher im Hintergrundgeschehen, wenn man beispielsweise ein bestimmtes Medium sucht. Zudem sind sie für Veranstaltungen aller Art verantwortlich: Bibliothekare müssen sich Gedanken darüber machen, welche Autoren sie anschreiben, die eventuell kommen würden und Lust hätten, einen Vortrag zu halten und so weiter. Aber nicht nur das: Auch für Klassenführungen sind sie zuständig. Wir helfen schon auch mit, aber Bibliothekare sind im Prinzip für das Organisatorische verantwortlich.

Elisabeth: Warum ergreift man deiner Meinung nach diesen Beruf bzw. warum hast du ihn ergriffen?

Anna: Ich würde einfach sagen, wenn man diesen Beruf wirklich ausüben möchte, muss eine gewisse Vorliebe für alle Art von Medien, vor allem natürlich für Bücher, vorhanden sein. Schließlich besteht der Beruf daraus, mit diesen zu arbeiten. Mir persönlich hat es auch Spaß gemacht, mit den Kunden Kontakt zu haben. Es ist nicht zu viel, sondern genau richtig, sodass es ziemlich entspannt ist. Man sitzt nicht nur im Büro, sondern hat auch ein bisschen mit den Lesern zu tun. Da ist einfach der Abwechslungsreichtum groß.

Elisabeth: Was muss alles organisiert werden, damit eine Bibliothek mit Leben erfüllt werden kann?

Anna: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich fasse es kurz zusammen: Eine Bibliothek ist dafür zuständig, das Kulturgut, das sie in ihrem Bestand hat, an die Bevölkerung weiterzuvermitteln. Alle Abläufe, die sich hinter diesem Satz verbergen, sind ziemlich viele: Wir müssen die ganzen Bücher, Filme, CDs und noch vieles mehr erst einmal beschaffen. Dabei müssen wir schauen, dass wir immer auf dem neuesten Stand sind, damit wir beliebte Dinge in der Bibliothek haben, die einen Teil der Kunden anziehen. Aber wir müssen auch Klassiker ausstellen. Da muss ein natürlicher Ausgleich herrschen. Weiterhin sollten Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene organisiert werden, um diese in die Bücherei zu locken. So können die Leser mit dabei sein und die Medien einfach hautnah erleben. Aber wir sind auch für die Pflege der Medien verantwortlich, denn sie sollen ja schließlich lange erhalten bleiben.

Elisabeth: Wie sieht die Ausbildung zur FaMI aus? Wie lange dauert sie beispielsweise?

Anna: Die Ausbildung geht insgesamt drei Jahre – man hat aber auch Verkürzungsmöglichkeiten. Sie erfolgt im dualen System d.h. man hat eine praktische Ausbildung in der Bibliothek und Blockunterricht in der kaufmännischen Schule in Calw. Das heißt, man hat immer einen Monat Schule und danach wieder einen Monat Arbeit und das die ganze Zeit im Wechsel. So kann man durch die Praxis den Beruf kennenlernen und erfahren, wie es in einem Betrieb abläuft – Du hast deinen Einblick ja auch schon bekommen. In der Schule dagegen lernt man alles in der Theorie.

Diese Ausbildung gibt es in 5 verschiedenen Fachrichtungen: Einmal die Fachrichtung Bibliothek, dann das Archiv, Information und Dokumentation, medizinische Dokumentation und Bildagenturen. Wobei Bildagenturen ganz langsam wegfallen…

Elisabeth: Da muss man sich quasi für eine Fachrichtung entscheiden?

Anna: Ja genau. Man lernt zwar alle fünf Fachrichtungen in der Schule, in der Prüfung braucht man aber eigentlich nur seinen eigenen Bereich zu kennen.

Elisabeth: Und was kann man noch machen? Studieren?

Anna: Ja, man kann studieren. Entweder gleich nach der Schule oder nach der Ausbildung. Ich hab mich für letzteres entschieden. Für das Studium gibt es dann die HdM (die Hochschule der Medien) in Vaihingen. Dort kann man Bibliotheks- und Informationsmanagement (Bibliothekarin) auf Bachelor oder Master studieren. Das geht auch circa drei Jahre wie die Ausbildung. Es sind also insgesamt ungefähr 7 Semester. Wichtig zu wissen, wäre ebenfalls, dass es dort noch andere Fachrichtungen gibt, aber die Hochschule der Medien ist vor allem für diesen Bereich zuständig. Es werden zum Beispiel auch die Studiengänge „Audiovisuelle Medien“, „Werbung und Marktkommunikation“ oder „Verpackungstechnik“ angeboten, die das Paket abrunden.

Elisabeth: Möchtest du auch nach deiner Ausbildung studieren?

Anna: Ja, ich möchte es auf jeden Fall probieren! Ich bewerbe mich bei der HdM und dann muss man einfach abwarten, ob sie einen nehmen. Das kommt auch immer ein bisschen auf deinen individuellen Abschluss an: Man braucht mindestens Fachhochschulreife, um angenommen zu werden. Dazu, wenn man eine Ausbildung in einer bestimmten Fachrichtung gemacht hat, werden dir noch weitere Punkte angerechnet und du wirst sozusagen noch einmal genauer betrachtet. Da lasse ich es jetzt einfach mal auf mich zukommen, wie das bei mir läuft.

Elisabeth: Okay, zurück zu einer Standardfrage: Wie sehen die Karrierechancen als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste aus?

Anna: Das ist eine sehr gute Frage, die man aber nur schwer beantworten kann. Was ich bisher so mitbekommen habe, ist, dass es nur sehr wenige Plätze als Bibliothekarin/FaMI gibt. Da muss man gerade wirklich Glück haben, wenn eine Stelle im passenden Augenblick frei ist. Dafür hat man als FaMI die Möglichkeit, auf andere Fachrichtungen auszuweichen, weil man ja während der Ausbildung in der Schule zumindest ein bisschen von jedem gelernt hat. Du kannst notfalls beispielsweise auf Verwaltungsfachangestellte zurückkommen oder in eine ganz andere Richtung wie die Restaurierung oder ähnliches gehen. Es gibt also einige Variationen, wobei selbstverständlich auch diese ihr Limit erreichen.

Elisabeth: Wie ist das konkret in deinem Fall? Wirst du von dieser Stadtbibliothek übernommen oder musst du dir irgendwo anders eine neue Stelle suchen?

Anna: In Herrenberg ist es so, dass die Azubis (Auszubildende) für ein halbes Jahr übernommen werden, aber danach muss man dann weitersehen. Mehr weiß ich im Moment auch noch nicht.

Elisabeth: Was ich jetzt noch interessant fände, wäre die Frage zum Gehalt und zu den Arbeitszeiten eines FaMI/Bibliothekars…

Anna: Gut, ich als Auszubildende habe 39 Stunden pro Woche. Man arbeitet eben von morgens bis abends, also den ganzen Tag. Die Bücherei in Stuttgart zum Beispiel hat meines Wissens nach von 9 Uhr am Morgen bis um 21 Uhr am Abend geöffnet, unsere in Herrenberg dagegen von 10 Uhr bis 18 Uhr. Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Die Mitarbeiter müssen zusätzlich variabel sein, weil man natürlich auch außerhalb der Öffnungszeiten etwas zu tun hat. Genauso ist es bei einem Bibliothekar.

Mit dem Gehalt, das erhöht sich natürlich pro Ausbildungsjahr. Brutto verdiene ich ca. 700 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr + 50 Euro für jeweils alle weiteren Jahre. Bei Bibliothekaren liegt der Brutto-Lohn zwischen 2000 und 4000 Euro pro Monat.

Elisabeth: Als Ausblick würde ich zum Schluss gerne wissen, für wen der Beruf laut dir zu empfehlen ist. Gibt es etwas Besonderes, das man mitbringen muss?

Anna: Man muss selbstverständlich Freude am Umgang mit Menschen haben, da wir uns nicht nur um die Kundenbetreuung kümmern, sondern durch verschiedenen Projekte auch viel mit Kindern zu tun haben. Man sollte sich darauf einstellen, viel mit Kooperation und Integration zu machen, aber auch das Interesse an Literatur und allgemein Medien darf nicht fehlen. Wenn man sagt: „Oh, ich kann Bücher nicht mehr sehen!“, dann ist dieser Beruf natürlich nichts für einen. Eine weitere Voraussetzung ist das Organisationstalent in Verbindung mit Ordentlichkeit & Flexibilität. Man arbeitet in vielen Bereichen mit und da muss man den Überblick bewahren können. Als letztes ist die Geduld nicht zu vergessen: Zum einen braucht man oft mit den Kunden starke Nerven, jedoch muss man auch während den Bürozeiten belastbar sein.

Elisabeth: Okay, dann vielen Dank für dieses Gespräch, Anna!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.