Künstlerische Jahresprojekte – wozu?

Ein Interview mit Claudia Piatzer (Programmleitung Bildungsförderung) und Götz Schuricke (künstlerischer Berater) von der Roland Berger Stiftung

von Karlo Jurcevic

Karlo Jurcevic: Wieso macht sich die Stiftung diese enorme Mühe und organisiert so aufwendige Jahresprojekte?

Claudia Piatzer: Unsere künstlerischen Jahresprojekte sind sozusagen ein Markenzeichen unserer Stiftung, die wir von Beginn an durchgeführt haben. Wir sind fest davon überzeugt, dass Ihr bei diesen Projekten sehr viel lernt, was für Euch persönlich und für Euer Leben wichtig ist: Selbstvertrauen, Ausdauer, Disziplin, Teamarbeit, Ängste überwinden. Es ist erstaunlich und sehr beeindruckend, wie schnell Ihr lernt und Euch schon nach wenigen Proben weiterentwickelt. Super. Das zeigt, dass die künstlerischen Projekte, ob nun Musical, Revue oder Oper, der richtige Schlüssel sind, um Eure Talente und Potentiale, die jeder von Euch hat, zu öffnen. Und dabei sollt Ihr noch Freude am Singen, Schauspielern und Tanzen haben, hoffe ich jedenfalls….

Götz Schuricke: Toll ist auch der künstlerische Aspekt bei diesem Projekt. Ihr lernt alle etwas Neues dazu. Ich habe auch schon oft miterlebt, dass Stipendiaten nach einem Jahresprojekt angefangen haben, Instrumental- oder Gesangunterricht zu nehmen, um weiterhin etwas in diese Richtung zu machen. Immerhin ist die kulturelle Kompetenz auch einer der Lernbereiche, die das Stipendium beinhaltet.

Claudia Piatzer: Hier ergänzen sich ganz wunderbar unsere Lernbereiche, vor allem steht hier der Lernbereich 1 „Persönlichkeitsentwicklung und Werteorientierung“ ganz vorn. Was mir an der Inszenierung von Natascha Ursuliak in diesem Zusammenhang besonders gefällt, ist, dass jede und jeder von Euch eine Solorolle hat! Ich denke hier beispielsweise an die Hofleute, ob nun Journalist, Liftboy, Hofdame, Rockband … Jeder hat die Möglichkeit, seine Rolle zu finden und zu spielen.

Karlo Jurcevic: „Eloise“ ist bereits das dritte Jahresprojekt der Stiftung, wie liefen denn die anderen Projekte ab, der „Zauberer von Oss“ und „Die Konferenz der Tiere“?

Claudia Piatzer: Begonnen haben wir mit dem Musical „Der Zauberer von Oss“ in Kooperation mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz, unser erstes großes Jahresprojekt mit den Stipendiaten aus Bayern, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Das war natürlich eine Riesenherausforderung für uns, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die Logistik: Die Entfernungen zwischen den Bundesländern, die Probentermine und -orte zu finden. Und dann die Kürze des Projekts. Die intensiven Proben für die Premiere haben drei Monate vorher begonnen. Das war schon sportlich. Und dann sind wir ein Jahr später mit Stipendiaten, Regieteam und Orchester auf Tournee gegangen und haben das Stück in Krefeld und in Berlin noch einmal aufgeführt.

Götz Schuricke: Aber es ist kein Vergleich zu „Eloise“, der größte Unterschied ist der, dass wir beim „Zauberer“ von einem Musical sprechen, wohingegen „Eloise, eine Oper ist. Somit unterscheiden sich diese beiden Produktionen schon allein aus musikalischer Sicht sehr. Das Besondere beim „Zauberer von Oss“ war, dass nach einem Jahr das Stück wiederaufgeführt wurde und dass die Stipendiaten nach einem Jahr Pause immer noch so fit waren und alles wieder abrufbar war.

Claudia Piatzer: Bei der „Konferenz der Tiere“ standen 150 Stipendiaten aus Hessen, Sachsen und Thüringen auf der Bühne der Semperoper in Dresden. Die Musik für die Revue wurde eigens von Johannes Wulff-Woesten komponiert und das Libretto von Manfred Weiß geschrieben. Die Stipendiaten hatten nicht nur die Profis von der Semperoper als Team an ihrer Seite, auf der Bühne hat ein professioneller Schauspieler, Tom Quaas, die Rolle des Erzählers übernommen. Das war einfach grandios und die Aufführungen ein Riesenerfolg.

Karlo Jurcevic: Was bedeutet dieses Projekt persönlich für Sie?

Claudia Piatzer: Tja, das ist ganz schwer in Worte zu fassen. Die künstlerischen Jahresprojekte sind für mich die emotionalsten. Ich begleite Euch ein Jahr lang sehr intensiv. Ich sehe, wie Ihr Euch freut, wenn etwas gut geklappt hat, aber auch, wenn Ihr traurig oder enttäuscht seid, weil es auch mal nicht gut läuft. Das geht unter die Haut. Das Schöne ist, dass Ihr als Stipendiatengruppe ganz eng zusammenwachst und Euch gegenseitig unterstützt und helft: Die Münchner, die Baden-Württemberger und die Rheinland-Pfälzer.

Götz Schuricke: Man sieht die Entwicklung, bekommt alle Höhen und Tiefen während des Projektes mit. Man gewinnt auch mehr Vertrauen in seine eigene Arbeit, die viel erfüllender ist als mit Profis, da Euer Künstlerteam einen kleinen Beitrag zur Entwicklung von jedem einzelnen von Euch beiträgt und das ist schön mit anzusehen!

Claudia Piatzer: Der krönende Abschluss nach all der harten Probenarbeit sind die Aufführungen. Wenn ich Euch auf der Bühne sehe, bekomme ich eine Gänsehaut und fiebere mit Euch mit. Und wenn zum Schluss der Vorhang fällt und ich in Eure stolzen und überglücklichen Gesichter schaue, das ist für mich ein unvergesslicher Moment. Und so freue ich mich schon sehr mit Euch auf den 11. und 12. Juli 2015!

 

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