25 Jahre Deutsche Einheit

55 Stipendiaten des Deutschen Schülerstipendiums machen Grenzerfahrung
Bericht aus der Akademie

von Gülsah Selim und Aline Altenhoff

Am ersten Maiwochenende trafen sich 55 Stipendiaten der Roland Berger Stiftung aus verschiedenen Bundesländern zu einem spannenden Seminar in der Gedenkstätte Point Alpha in Geisa im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Ost- und Westdeutschland, um gemeinsam ein wichtiges Stück deutscher Geschichte aufzuarbeiten. „Nicht nur lernen, sondern auch leben“ lautete das Motto des Seminars.
33 Stipendiaten waren in der „Akademie“ untergebracht und wohnten in einem restaurierten Schloss in Geisa an der hessisch-thüringischen Grenze, in dem auch die Point Alpha Stiftung ihren Sitz hat.
Der sogenannte Point Alpha diente während des Kalten Kriegs als amerikanischer Überwachungsposten an der innerdeutschen Grenze. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Ort zur Erforschung des Kalten Krieges zu schaffen und mit der Gedenkstätte Point Alpha ein Denkmal zur Erinnerung an die Teilung Deutschlands zu errichten.

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Nach der Ankunft am Freitagnachmittag folgte der erste Programmpunkt: Die Stipendiaten besuchten das von der Point Alpha Stiftung geförderte „Haus auf der Grenze“, welches heute an dem Ort steht, auf den vor 25 Jahren kaum jemand unbeschadet seinen Fuß setzen konnte, nämlich auf der 40 Jahre lang bewachten innerdeutschen Grenze. Heute ist es 25 Jahre her, dass die Grenze, die vielen Unschuldigen das Leben kostete und das der Hinterbliebenen sowie der Anwohner maßgeblich prägte, geöffnet wurde. Im Anschluss daran führte der Weg die Stipendiaten am ehemaligen Grenzverlauf entlang, was alle sehr zum Nachdenken anregte.

Die aufrüttelnde Ausstellung des „Hauses auf der Grenze“ baut zu einem großen Teil auf Zeitzeugenberichten auf, die im Mittelpunkt des Programms am nächsten Seminartag standen.
Der 71-jährige ehemalige Caritasmitarbeiter Klaus Tiller und der 57-jährige Lehrer Rainer Rothe erzählten den Stipendiaten ihre bewegenden Geschichten. In Interviews wollten die Stipendiaten mehr über die Erlebnisse der Zeitzeugen erfahren, die damals den Mut besaßen, sich gegen die diktatorische Regierung aufzulehnen. Beide halfen mit, die friedlichen Montagsdemonstrationen in Geisa zu organisieren, und setzten sich außerdem für die Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit ein. Trotz der Angst vor Schüssen an der Grenze kämpften sie für ihren Wunsch, frei zu sein, der schließlich mit der Öffnung der vorher so unüberwindbaren Grenze in Erfüllung ging.

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Das Wochenende in Geisa hat bei allen Stipendiaten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es ermöglichte ihnen, die deutsche Geschichte aus einem einzigartigen Blickwinkel heraus zu betrachten und sie durch die intensive Aufarbeitung an diesen zwei Tagen besser zu verstehen.

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