Deutsch-deutsche Geschichte in der Point Alpha Akademie Geisa

von Emilie Grallert und Elisabeth Bauer

Zum 25-jährigen Jubiläum erscheint das Thema Deutsche Einheit für einige vielleicht ein wenig abgedroschen. Auch wenn es manchen Stipendiaten ähnlich ging, als wir am Freitag, den 1. Mai, zum Seminarwochenende „Vom Kalten Krieg zur Deutschen Einheit“ aufbrachen, so wurde die Wichtigkeit des Themas dank der intensiven Aufbereitung am Wochenende wieder hervorgehoben.

Der erste positive Eindruck war die Unterbringung in der Point Alpha Akademie, die sich im restaurierten Schloss Geisa befindet. Die großen, modernen Zimmer und das leckere Essen waren eine tolle Einstimmung auf das Seminar. Die jüngeren Stipendiaten übernachteten am Point Alpha, dem ehemaligen Camp der US-Soldaten und nahmen dort an Workshops teil.

Auf das Mittagessen folgte eine gemeinsame Einführung in das Thema und in die Aufgaben und Funktionen der Akademie. Die nächste Station war das Haus auf der Grenze. Nach einer Führung durch die Ausstellung und am Grenzstreifen entlang, bekamen wir Aufgaben, die sich auf die Ausstellung bezogen und die uns auf die Zeitzeugengespräche am Samstag vorbereiten sollten. Um das Grundwissen über DDR und BRD zu erweitern, gab es dann, zurück im Schloss, noch eine Aufgabe, bei der wir verschiedene Ausschnitte dem Grundgesetz der BRD und der Verfassung der DDR zuordnen sollten. Dabei stellten wir fest, dass diese sich eigentlich sehr ähnlich waren, die Umsetzung allerdings ziemlich voneinander abwich.

Der Samstag war ganz den Zeitzeugengesprächen gewidmet. Nach der Vorbereitung, durch die wir uns erarbeiteten, wie man ein Gespräch mit Zeitzeugen führt, überlegten wir uns, mit Hilfe der Biographien der drei Zeitzeugen, Fragen für die Interviews. Der erste Zeitzeuge war Klaus Tiller, der in Geisa den Widerstand gegen das DDR-Regime mitgeleitet hatte und uns darüber viel Interessantes erzählen konnte. Rainer Rothe, ein ehemaliger Lehrer, leistete ebenfalls Widerstand in Geisa. Von ihm konnten wir vor allem viel über die Propaganda in der Schule und seine Aufgaben als Lehrer, aber auch über das Selbstverständnis der Revolutionäre erfahren. Der letzte Zeitzeuge, Utz Rachowski, berichtete uns vor allem über seine Arbeit als Schriftsteller, seine Zeit im Gefängnis und wie er seine Freunde vom Westen aus unterstützen konnte. Durch die Gespräche mit den Zeitzeugen konnten wir uns besser in die Situation hineinversetzen und versuchen, sie zu verstehen. Den Samstag ließen wir schließlich bei einem gemeinsamen Grillabend im Camp Point Alpha ausklingen.

Am Sonntag ging es um das Jahr der Wiedervereinigung. Wir behandelten die Folgen, Probleme, aber auch Chancen dieser Wende, indem wir zunächst einen Film ansahen. Danach ging es an eine praktische und ganz besondere Aufgabe. Die Stipendiaten wurden in fünf Gruppen aufgeteilt, die die Positionen verschiedener Länder oder Organisationen, nämlich Russlands, der Ukraine, des Baltikums, der NATO und der EU, vertreten sollten. Der Auftrag lautete, den Kalten Krieg und seine Folgen auf die aktuellen Ereignisse in der Ukraine und im Baltikum zu übertragen. Was folgte, war eine sehr hitzige, aber interessante Debatte. Leider hatten wir dazu kaum mehr als eine Stunde Zeit, die natürlich nicht ausreichte, um alle Punkte auszudiskutieren. Trotzdem hat uns diese Diskussionsrunde mit Sicherheit zum Nachdenken angeregt.

Insgesamt war das Seminar sehr interessant. Wir haben viel gelernt und hatten spannende Begegnungen mit den verschiedenen Zeitzeugen. Diese neuen Erfahrungen haben bei uns auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

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