Das Smartphone: Meister der Missverständnisse

von Cynthia Lim

Wer kennt das denn nicht? Man verschickt auf WhatsApp eine Nachricht und plötzlich findet man sich mit seinem „Gegenüber“ in einem Sturm der Fehldeutungen und Missverständnisse, und das alles nur aufgrund der Tatsache, dass man das Emoji mit dem lachenden Gesicht vergessen hat. Der Grund ist, dass durch diese sehr schnelle, kurzgefasste und unpersönliche Kommunikation viel Platz für Fehlinterpretationen vorliegt.

In der Psychologie ist dieses Phänomen mithilfe des „Vier-Seiten-Modells“, das von dem Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun stammt, erläutert. Dieses besagt, dass die Menschheit eine Nachricht auf vier verschiedenen Ebenen interpretieren kann: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Zum Beispiel kann man die Nachricht „Du bist spät.“ so verstehen, dass die Person die Verspätung stört oder aber dass die Person lediglich bemerkt, dass sein Partner zu spät ist. Die vermittelte Kommunikation über Apps trägt somit ein hohes Konfliktpotential. Denn bei dem Schreiben von Nachrichten fehlt die nonverbale Kommunikation durch Berührungen, Körpersprache, Mimik und Gestik und ist deshalb sehr distanziert. Gerade diese ist bei Beziehungen, seien es Liebesbeziehungen oder Freundschaften, sehr wichtig. Ohne sie ist keine Einschätzung des Gegenübers möglich und dadurch ist die Gefahr zum Scheitern der Kommunikation viel kleiner.

Natürlich darf man nicht sagen, dass das Smartphone nur negative Effekte auf eine Beziehung hat. Man kann immer und überall mit seinen Mitmenschen Kontakt halten und große Distanzen überwinden. Ehrlich gesagt können diese Apps sehr praktisch sein und auch einige gute Aspekte in eine Beziehung einbringen. Es ist lange bekannt, dass gute Kommunikation bedeutend für jede Beziehung ist, jedoch ist es wichtig, die richtige Art der Kommunikation zu wählen und somit die Beziehung zu fördern statt sie zu beeinträchtigen. Triviale Themen oder Nachrichten können gerne über WhatsApp und Co. vermittelt werden, da diese durch die Schnelligkeit des Versendens sehr effizient sind. Wichtige Ereignisse, Zugeständnisse oder auch einen Streit sollte man eher nicht per WhatsApp miteinander teilen oder ausfechten, da ein privates Gespräch oder ein Telefonat hierfür besser und weniger irreführend ist. Statt tausend Nachrichten hin und her zu schicken, sollte man lieber wieder zu seinen „Wurzeln“ zurückkehren und wie in den guten alten Zeiten ein Gespräch von Auge zu Auge führen. Verblüffend, wie viel mehr man über eine Person auf diese Weise erfahren kann!

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