Hauptsache „Lügenpresse“

Ein Kommentar von Taner Öztas

Medien spielen zweifellos eine bedeutende Rolle in unserer Gesellschaft. Die Neutralität und Unabhängigkeit dieser, die vor allem in einer Demokratie sehr hoch angesehen werden und Grundlage jeder Informationsmitteilung sein sollten, scheinen allerdings immer öfter in Frage gestellt zu werden. Fakt ist, dass Medien auch Kapital erwirtschaften müssen, sodass eine Adaption der Schlagzeilen an die allgemeine Stimmung des Volkes und angepasste Werbung unumgänglich werden. Dies ist wiederum eine Notwendigkeit, die durchaus nachvollziehbar ist. Vorwürfe der Rezipienten sind jedoch das Verbreiten von „Halbwahrheiten“ oder gar „Lügen“. Sind diese Vorwürfe aber berechtigt oder ist es das affektgeleitete Volk, dem die Kritik gebührt?

Die Menschen scheinen nämlich zu vergessen, dass sie es sind, die das Hinterfragen bewusst vergessen, die mehr Wert auf oberflächlichen Augenschein als auf umfangreiche, pluralistische Meinungen legen, die den Medien ihre Schlagzeilen im Grunde genommen vorgeben. Denn es ist leicht zu behaupten, die Medien würden den Menschen absichtlich Informationen vorenthalten. Laut einer Befragung im Rahmen des stern-RTL-Wahltrends seien immerhin 44 Prozent der Deutschen der Meinung, die Medien würden eine „Lügenpresse“ betreiben. Schwieriger wird es schon, einzusehen, dass man sich weigert, eine vollständige Recherche durchzuführen unter Einbeziehung aller möglichen Kommunikationsmittel. Stichwort hierbei ist die bildhafte Informationsbeschaffung, die als vollkommen angesehen wird. Mit einem eindrucksvollen Bild und einem Untertitel ist der Leser schon zufrieden. Der weitere Gedanke, sich dem Medium anzunehmen und die detaillierte Information wahrzunehmen, fehlt da zu oft.

Demnach ist festzustellen, dass nur noch offensive Positionen eingenommen werden, die jegliche Diskussionen erschweren. Anstatt dass die Menschen die sogenannte „vierte Gewalt“, die in unserem Rechtsstaat auch eine bedeutende Kontrollfunktion einnimmt, kritisieren, sollten sie beginnen, sich näher zu informieren, um der von ihnen selbst verschuldeten, imaginären „Lügenpresse“ zu entgehen. Priorität eines Mediums liegt nämlich beim Publizieren des Wahren. Ein Vorwurf der Lüge ist dabei unverkennbar paradox und zeugt von niedrigem Glauben an die Demokratie und ihre Werte.

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