Mein Praktikum in der Herz- und Gefäßchirurgie

von Lei Heckel

Im April 2015 habe ich mich für ein BOGY-Praktikum in der Herz- und Gefäßchirurgie des Robert Bosch Krankenhauses beworben und wurde angenommen. Mein Wunsch war es schon immer einen Beruf zu wählen, mit den man viel mit Menschen in Kontakt kommt und diesen auch helfen kann. Besonders begeistern konnte ich mich für die Chirurgie, da ich diesen Bereich sehr spannend finde und bisher nur aus Fernsehsendungen kannte. Dies weckte mein Interesse noch mehr, den realen Alltag eines Chirurgen kennenzulernen.

Im April dieses Jahres war es endlich soweit. Extrem aufgeregt erschien ich am ersten Tag um 7:30 Uhr im Sekretariat der Abteilung. Ich wurde freundlich aufgenommen und durfte an der Frühbesprechung teilnehmen. Im Anschluss wurde ich sofort einer Chirurgin zugeteilt, die mir zunächst das Krankenhaus zeigte. An diesem Tag hatte sie die Leitung der operativen Überwachungsstation, die Station zwischen der Intensivstation und der Normalstation. Diese Patienten werden noch stark bewacht und auf die Normalstation vorbereitet. Auf dieser Station hat man recht viel Kontakt zu den Patienten, die freie Zeit wird genutzt, um sich auf Operationen vorzubereiten oder um Berichte zu jeder OP zu schreiben. Um 17 Uhr wurde ich mit vielen Eindrücken und viel Wissen „entlassen“.

Auf die Normalstation werden Patienten verlegt, die die OP erfolgreich überstanden haben und bald nach Hause oder in die Reha dürfen. Bevor dies geschieht, werden noch die Blutwerte und das Befinden des Patienten überprüft. Diese Menschen sind relativ eigenständig und benötigen nur noch wenig Hilfe. Dem leitenden Chirurgen bleibt deshalb viel Zeit, um sich den Büroarbeiten zu widmen.

Die Aufnahme sowie die Information zur Operation finden in der Ambulanz statt. Eine Aufnahme beansprucht mindestens 30 Minuten, in der dem Patienten alle Fragen beantwortet und die Erstuntersuchungen durchgeführt werden. In diesem Bereich hatte ich die Möglichkeit aktiv mitzuhelfen, wie zum Beispiel mit dem Stethoskop den Patienten abzuhören oder Formulare auszufüllen und über die Risiken einer OP aufzuklären.

An den restlichen Tagen durfte ich mit in den sterilen Bereich. Vor dem Betreten des Bereiches musste ich sterile Kleidung anziehen und meine Hände gut desinfizieren. Ich habe nicht nur einen Einblick in die komplexen Abläufe von Operationen bekommen, sondern mir auch ein Bild von der Arbeit der Anästhesisten machen können. Während der OP war es erlaubt bei den Anästhesisten zu stehen, die mir den Verlauf der OP veranschaulichten. Am meisten werden Herzklappen rekonstruiert oder ersetzt, danach folgen die Bypass-Operationen. Während der OP herrscht eine ruhige, konzentrierte, dennoch lockere Stimmung, die genauso wichtig ist wie eine gute Kommunikation. Von einer Kardiotechnikerin wurde mir die Herzlungenmaschine erklärt, wobei häufig am schlagenden Herzen operiert wird. Nach ca. vier bis sechs Stunden OP wurde der Patient auf die Intensivstation gebracht.

Jeden Tag gibt es außerdem einen Hausdienst, einen Chirurgen aus jeder Abteilung, der 24 Stunden lang im Krankenhaus aktiv ist und einen Rufdienst, der 24 Stunden lang erreichbar und zur Stelle ist.

Da der Tag eines Chirurgen meist sehr hektisch verläuft, kommen sie oft nicht dazu, Pause zu machen oder etwas zu essen. Natürlich durfte ich als Praktikantin eine Mittagspause einlegen und mit Kollegen in der Kantine für Mitarbeiter essen. Da hatte ich nochmal die Möglichkeit mehr über die Kollegen und deren Berufsweg zu erfahren.

Das Praktikum hat mir bestätigt, dass ich gerne einen medizinischen Beruf nachgehen würde. Dazu muss ich erst einen guten Schulabschluss schaffen. Trotzdem gibt es immer Wege sein Ziel, auch ohne guten Schulabschluss zu erreichen, wenn man hart dafür kämpft!

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