Tolle Sportakademie in Kappeln

von Marcel Fortus

Und wieder ist ein Schuljahr vorbei. Ein Schuljahr voller Noten, Stress, nervigen Mitschülern und Mitschülerinnen und kaum tritt ein Stipendiat oder eine Stipendiatin aus dem Schulhaus, umhüllt ihn oder sie das wohlige Gefühl, dass bald die Ferienakademie stattfindet. Es wird gepackt, noch das letzte Mal etwas mit den Mitmenschen im engeren Umfeld unternommen und dann geht’s schon los. 

Ich war dieses Jahr auf der Sportakademie. Oder, noch genauer, auf dem zweiten Teil der Sportakademie, denn die Bundesländer wurden in zwei Gruppen geteilt, und die eine durfte schon eine Woche vorher los, als wir in Bayern noch Schule hatten. Der Anfang jeder Akademie läuft gleich ab: Ankommen, Schauen, wer mit auf dem Zimmer ist, sich beschweren, erfolglos abziehen und Zimmer belegen. Die Schritte werden dabei in den verschiedensten Ausprägungen von den verschiedensten Leuten gemacht, im Grunde sind sie aber bei jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin erkennbar. Außer bei einer und einem selbst natürlich. Dann kommt das lang erwartete erste Essen nach der Zugfahrt. Ich weiß nicht, wie es bei anderen abläuft, aber ich vergesse mir immer genug Brötchen und Süßigkeiten für den Weg einzupacken. So schleppe ich mich mit meinem neuen Zimmerkammeraden, es ist bisher nur einer da, weil unsere drei anderen Zimmerkameraden aus Ingolstadt noch nicht angekommen sind, runter in den großen Saal, der für die nächste Woche der Haupttreffpunkt sein wird. Nicht nur fürs Essen oder für Ansagen, sondern auch für die wichtige, fast jeden Tag stattfindende Kartenspielrunde. Wizard ist dieses Jahr hoch im Kurs.

Naja, zurück zum ersten Tag. Nach dem Essen durften wir unsere Aktivitäten für die nächsten Tage wählen. Es gab so viele verschiedene Angebote wie zum Beispiel Kajak oder Strandsport aber auch Golf und ein Hochseilgarten waren dabei. Das alles wählte ich nicht, denn die anderen Angebote waren, meiner Meinung nach, besser. Aber um die Spannung aufrecht zu halten schreibe ich von denen später. Jedenfalls nach der Wahl sind wir – das sind so die Leute, die ich entweder vorher schon kannte, oder mit denen ich mich in so kurzer Zeit schon angefreundet habe, los, um Kappeln zu entdecken. Das ist eine schöne und idyllische Kleinstadt an der Ostsee mit einem kleinen Hafen, in dem es mindestens genauso viele Quallen wie Schiffe gibt. An diesem Hafen ist eine kleine, teure Eisdiele, die Minikugeln zum Preis von großen Kugeln verkauft. Viel mehr gibt’s über die Stadt auch gar nicht zu sagen.

Zeitsprung – Tag 3. Am Tag vorher waren wir Radfahren. Heute ist der anstrengendste Tag – denken wir. In Wahrheit wird der Nachmittag aber richtig entspannt. Vormittags heißt es aber nochmal Gas geben. Wir gehen nämlich zum Wasserski. Und das ist anstrengend. Und kalt. Wir müssen Neoprenanzüge anziehen und bekommen Wasserskier. Dann watscheln wir an eine Maschine. Sie sieht aus wie ein normaler Skilift, den ich aus dem Skilager der Schule kenne, geht aber in einem Kreis am Rand des Sees herum, anstatt nach oben. Die erste bekommt eine Haltestange und schafft es gleich drei Runden hintereinander. Der Rest fliegt beim Start ins Wasser. Das Mädchen hatte schon Erfahrung mit Wasserski. Wir nicht… Und langsam aber sicher lernen mehr und mehr Leute, wie es richtig geht. Zuerst der Start, dann die ersten Kurven, und bevor man sich versieht, ist fast jeder und jede auch schon drei Runden gefahren und fühlt sich wie der König oder die Königin der Welt. Danach geht’s in die Jugendherberge. Es gibt Burger. Nachmittags geht’s zum Windsurfen. Klingt cool – wäre es auch, mit mehr Wind. Am Ende lief es darauf hinaus, das wir Paddel in die Hände bekamen und paddelten. Der nächste Tag würde entspannt werden. Es war ein Strandtag geplant, an dem wir uns einfach sonnen könnten oder im Meer sein, oder Volleyball spielen, jeder wie er will.

Tag 4 – Das Wetter war am Strandtag schlecht. Wir waren im Schwimmbad… Aber das verdirbt uns unsere Laune nicht an diesem Tag. Kuttersegeln. Abends Grillen und Disco. Ein toller Abschluss für eine tolle Woche. Nochmal richtig Spaß haben, bevor einen wieder hunderte Kilometer von den tollen Leuten trennen, die jeder hier kennen gelernt hat. In dem Moment denkt aber noch fast keiner an den nächsten Tag. Ich jedenfalls nicht. Als abends dann alle entweder feiern oder am Lagerfeuer sitzen, realisiere ich langsam, dass es meine vorletzte Ferienakademie ist… war. Nur noch einmal, dann ist Schluss. Aber für viel Melancholie hatte ich keine Zeit, ich will ja die letzten Stunden mit meinen neuen Freunden genießen.

Tag 7 – Niemand schreibt gern über Abschiede. Ich auch nicht. Es war gestern alles so verwirrend. Die Bundesländer spalteten sich eines nach dem anderen ab und verschwanden Richtung Hauptbahnhof. Wir waren alle zusammen nach Hamburg gefahren und jetzt trennten sich unsere Wege. Heute bleibt nur die Erinnerung und das wohlige Gefühl, dass es nächstes Jahr auch so toll wird.

 

 

 

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