Kleiner Gedankenanstoß

von Karyna Gorlovska

Der Herbst erinnert uns an die sich uns nähernde dunkle und kalte, zum Glück aber auch festtagsreiche und harmonische Jahreszeit. Jeder hat diesen Sommer etwas erlebt, worüber sie oder er mit Freunden und Familie mit positiven Rückblicken im Kopf sprechen möchte. Vielleicht war so manch einer am See, am Meer oder gar am Ozean, genoss die warmen Gewässer, tankte Vitamin D für den Winter, erkundigte die Flora und Fauna der mediterranen Umgebung und entdeckte…

Müll. Unmengen von Müll. Ob am Strand liegend, im Wasser schwimmend, im Wald wandernd, geschweige denn bei Erkundungen der Städte.

Als ich mich dieses Jahr endlich freuen durfte, das Meer zu sehen, erhoffte ich mir eine idyllische türkisfarbene Satin-Oberfläche des Wassers mit frischem Seewind und leichten, beruhigenden Wellen. So könnte es ja auch sein, doch ein entscheidender Störfaktor war vorhanden. Entspanntes Schwimmen konnte schon mal schnell zum Zickzack-Marathon umschlagen, als Plastiktüten, Folien, sonstige Kunststoffverpackungen, nicht mehr erkennbares Etwas und manchmal gar scharfe Objekte zu nahe ans Ufer getrieben wurden.

Am Lande sah es nicht besser aus – die Landschaft diente wie eine Lektion zum Thema „Warum Mülltonen in unserer Gesellschaft Sinn machen (würden)“.

Kann und darf man auf so etwas überhaupt mit Gleichgültigkeit blicken? Auch wenn man sich gerade nicht über die geringere Urlaubsqualität ärgert?

Man schätzt, dass knapp neun Millionen Tonnen Plastikmüll JÄHRLICH in die Weltmeere gelangen. Und dass man es während seines Urlaubs erkennt, ist noch das kleinste Problem: für die Meerestiere sieht der Müll wie Nahrung aus, sodass sie dieses leicht verschlucken können. Infolgedessen verhungern sie und sterben trotz des vollen Magens. Und wenn sie diesem Schicksal entgehen können, so vergiftet die Tiere unser bedenkenloses Entsorgen oder legt Plastikstrick um ihre Hälse, bis sie ersticken. Millionen von Seevögeln, aber auch größere Tiere wie Delphine, Meeresschildkröten, Robben und Wale fallen dem Müll zum Opfer. Klingt erstmals übertrieben und unglaubwürdig, doch im Nordpazifik entstand inzwischen ein gigantischer Müllstrudel von der Größe Westeuropas.

Wenn man also das nächste Mal an den Strand getriebene, anorganische Gegenstände entdeckt, sollte man sich vielleicht überlegen, ob man nicht selbst gerne etwas dagegen machen würde. Wer keine Zeit zum Eintritt in eine Wohltätigkeitsorganisation hat, hat trotzdem keine Ausrede – man kann ja mit gerechter Müllentsorgung anfangen. Oder auch noch mehr tun. Dann gibt es sicher genug positive Rückblicke, die man mit Familie und Freunden auch den ganzen Winter lang teilen könnte.

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