„Lügenpresse“ und „Filterblasen“ – Bedeutungsverlust von traditionellen Medien?

von Marcel Fortus, Andzelika Gürich, Las Rabaty, Tuna Safak, Joy Schwab

Die europäische Jugend betrachtet die Vertrauenswürdigkeit der Medien skeptisch. 79% aller 18-35 Jährigen glauben nicht mehr den klassischen Medien. In Deutschland ist der Vertrauensverlust nicht ganz so groß. Der Wert liegt hier bei 22%. Das war das Ergebnis der Studie „Generation What?“, die Anfang April 2017 veröffentlicht wurde. Diese Studie wurde europaweit von der Vereinigung EBU (Europäische Rundfunkunion) durchgeführt.
(Link: http://www.br.de/presse/inhalt/pressemitteilungen/generation-what-europaeischer-abschlussbericht-100.html) 

Das Ergebnis deckt sich mit Vermutungen und Beobachtungen der letzten Jahre. Aber woran liegt das? Festzustellen ist, dass sich Jugendliche über soziale Medien wie Facebook, Instagram und Twitter informieren und sich dadurch auch ausreichend informiert fühlen. Im Gegenzug schwindet das Interesse an den Mainstreammedien denen sogar der Vorwurf „Lügenpresse“ gemacht wird.

Eine Folgeerscheinung der starken Nutzung sozialer Netzwerke ist das Phänomen „Filterblase“. Dieser Begriff wurde 2011 zum ersten Mal von Eli Pariser in dem Buch „The Filter Bubble“ aufgebracht. Dieser Ausdruck beschreibt die Komfortzone von Nutzer*n im Internet. Anstatt sich vielfältig bei verschiedenen Quellen zu informieren, verwenden sie immer die gleichen Quellen mit Ansichten, welche die eigenen Standpunkte unterstützen.

Ist also die Nutzung sozialer Medien hinreichend, das Informationsbedürfnis zu befriedigen? Und wenn ja, was bedeutet das für die Qualität der Information und was bedeutet es für die Stellung der klassischen Medien? Um diese beiden Problemfelder zu untersuchen, sind wir mit folgenden Fragestellungen an Passant*en auf den Münchner Straßen herangetreten:

  1. Können wir den Medien vertrauen?
  2. Wie informieren Sie sich über aktuelle Themen?

Auswertung Gruppe 1 (Marcel Fortus, Las Rabaty):

Wir haben viele unterschiedliche Antworten bekommen. Häufig meinten Passant*en, sie würden nicht allen Medien trauen. Bei den älteren Befragten hatten vor allem die öffentlich-rechtlichen einen guten Ruf, während die privaten Sender eher kritisch gesehen wurden. Anders bei den jungen Befragten. Diese misstrauten den Fernsehkanälen eher und verließen sich auf Social Media. Eine Passantin meinte, sie würde sich nicht auf die traditionelle Presse verlassen, aber ihre Informationen vom YouTuber „LeFloid“ beziehen.

Ein weiterer Befragter sagte, er schaue keine Nachrichten, weil sie ihn belasten würden. Er hält den Vorwurf „Lügenpresse“ zwar für einige ausländische Medien für gerechtfertigt, findet allerdings, dass die deutsche Mainstream-Medienlandschaft durchaus wahrheitsgemäß berichtet.

Aus den Antworten ergab sich das Bild, dass die Meisten den Medien eher skeptisch gegenüberstehen.
Wir wollten sehen, wie es sich mit bestimmten Themen verhält. Auf die Frage wie ein Pärchen den Anschlag vom 7. April 2017 in Stockholm mitbekommen hatte, sagte sie, dass sie es auf Facebook gesehen habe und er meinte, sie habe es ihm erzählt. Viele erinnerten sich allerdings, dass sie den Amoklauf im Münchener Olympia-Einkaufszentrum am 22. Juli 2016 im Fernsehen mitbekommen hatten und sich danach weiter auf Seiten großer Zeitungen informierten. Auch die Frage, wie sie sich über die kommende Bundestagswahl am 24. September 2017 informieren würden, beantworteten viele mit „Fernsehen“, ein Paar erwähnte auch den Wahl-O-Mat. Auf Facebook würden sie sich nicht verlassen, da die Politiker* die Leser* darüber viel zu leicht manipulieren könnten.

Wir können natürlich nicht sicher sein, dass unsere Umfrage repräsentativ ist, aber aus unseren Ergebnissen lässt sich feststellen, dass vor allem die jüngere Generation die traditionellen deutschen Medien mit Skepsis betrachtet, wobei sie sich bei spezifischen Themen und Situationen doch eher auf Fernsehkanäle und Online-Angebote der großen Zeitungen verlässt.

Auswertung Gruppe 2 (Andzelika Gürich, Tuna Safak, Joy Schwab):

Die Mehrheit der Befragten informiert sich überwiegend auf Onlineseiten oder im Fernsehen. Es gibt aber viele, die immer noch auf die traditionellen Printmedien wie die Süddeutsche oder die FAZ vertrauen. Sie erscheinen vertraulicher, da sie sachlicher und neutraler aufgefasst seien.

Junge Leute unter 18 Jahren nutzen vor allem soziale Medien zur Informationsbeschaffung. Jedoch haben wir auf Nachfrage erfahren, dass sich viele gar nicht für das Weltgeschehen interessieren und die Nachrichten nur am Rande mitbekommen. Seltsam widersprüchlich war, dass sie sich trotzdem über die aktuellen gesellschaftlichen und politischen relevanten Themen informieren, um in Diskussionen mitreden zu können.
Nach der Befragung zu dem zur Zeit aktuellen Thema über den Stockholm-Anschlag bekamen wir häufig Antworten wie „Interessiert mich nicht“ oder „Es betrifft mich nicht“. Eine andere oft genannte Antwort „Ich habe keine Angst” war oft damit begründet, dass überall auf der Welt etwas Schlimmes passieren könne.
Alle Befragten sehen die kritische Hinterfragung der Medien allerdings als wichtig an. Man solle seriöse und vielfältige Quellen aufsuchen, wenn man sich der Wahrheit sicher sein wolle. Für die Befragten waren das vor allem ARD und Süddeutsche, aber auf gar keinen Fall die BILD.

Diverse Internetplattformen merken sich stetig die Suchergebnisse ihrer Nutzer, um ihnen dann das oft Gesuchte verstärkt vorzuschlagen. Die meisten empfinden diese „Überwachung“ als störend oder auch nervig. Andere wiederum finden es angenehm, da so der Zeitaufwand des Recherchierens verringert wird und man auf diese Weise nur Ergebnisse bekommt, die einen interessieren.
Auffällig war, dass viele überhaupt nicht wissen, dass sie sich durch das ständige Beobachten der Internetplattformen in einer sogenannten „Filterblase“ befinden.
Insgesamt schienen die Mehrheit der Befragten desinteressiert, wollten sich nicht mit dem Thema befassen und hatten wenig Ahnung.

Aufgrund dieses Unwissens und der eher weniger alltäglichen Fragen schienen einige sehr nervös oder gaben nicht durchdachte, knappe Antworten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.