Über das Schreiben

von Marcel Fortus

“Viele Leute sagen, man soll nicht mehr übers Schreiben schreiben, ich hab’ das Gefühl, die meisten können nicht einmal ‘schreiben’ schreiben” – MoTrip in “Schreiben, schreiben”

Worüber soll man heute noch schreiben?
Regel Nummer eins ist es, mit dem Anfang anzufangen und mit dem Ende zu enden. Ich fange am Ende an und ende auch dort. Der Text hat keinen Anfang, nur eine Erkenntnis, die anfänglich unbewusst dasteht, sich während des Textes herauskristallisiert und letztendlich alles überragt.

Über spezielle Interessensgruppen?
Klar, ich könnte euch erzählen, wie es um den deutschen Rap bestellt ist. Dass fast jedes Album, das von einem mehr oder weniger großen Künstler herauskommt, auf Platz 1 landet, dass, wie im restlichen Musikgeschäft, viele auf Autotune oder Texte ohne Message setzen. Wenn ich wollte, könnte ich über den neuesten Smartphone-Schnickschnack schreiben. Wie Google sich mit dem Pixel 2 eine Chance verbaut, oder wie ehemalige Underdog-Hersteller wie Huawei sich mittlerweile einen Platz an der Spitze der Branche erkämpft haben.

Doch wen diese Sachen interessieren, der wird schon diverse Fachblätter und das Internet durchstöbert haben. Und wen das nicht interessiert, der wird den Artikel auch ganz bestimmt nicht lesen.

Über das Leben und Gott und die Welt?
Smalltalk als Artikel? Och, ist das Wetter heute gut. Oder regnet es? Wie findest du es? Der Gehalt und die Spannung eines solchen Artikels wären beide so tief unten, dass ich aufpassen müsste, dass meine Leser* aus dem Loch noch rauskommen. Keine Frage, natürlich kann so etwas gut geschrieben sein. Aber Smalltalk ist nicht so meins, weder im echten Leben noch in öffentlich aufgeschriebener Form.

Auch mein Leben wäre jetzt nicht das Glanzthema eines Artikels. Alles, was jemand heutzutage öffentlich haben will, stellt dieser jemand einfach auf Instagram oder Snapchat. Kein Grund, eine ganze Wordseite damit zu verschwenden.

Über die Politik?
Oh ja! Ganz spannendes Thema. Ich schreib über eine absurde Welt, in der autoritär anmutende Regime auftauchen wie Schimmel auf einem zu lange im Lebensmittelschrank stehen gelassenen Brot, bloß, dass das Brot diesmal unsere Demokratie ist, und wir sie nicht einfach so wegschmeißen können. Ich könnte erzählen, dass ich keine Ahnung habe, welche Partei für mich zumindest nicht abstoßend wirkt, und damit auch keine Ahnung habe, wen ich wählen werde. Ich würde euch sagen, dass ich trotzdem wählen werde, und wie wichtig es ist, dass ihr das auch tut.

Aber das ist schon geschrieben. All das. Jeder* fühlt, hört und liest das alles schon andauernd. Muss ich das wirklich nochmal schreiben?

Worüber soll man heute noch schreiben?

Regel Nummer eins ist es, mit dem Anfang anzufangen, und mit dem Ende zu enden. Ich fang am Ende an und ende auch dort. Der Text hat keinen Anfang, nur eine Erkenntnis, die anfänglich unbewusst dasteht, sich während des Textes herauskristallisiert und letztendlich alles überragt.

In einer Welt, die ständig spricht oder schreibt, aber niemand zuhört und liest, weil gefühlt alles schon einmal dagewesen ist, ist es schwer, ein Thema zu finden. Aber es ist wichtig.

Ich will mit diesem Text nichts sagen, ich habe kein Ziel, will ausnahmsweise niemanden bewegen. Ich will nur etwas schreiben, was noch nicht tausendmal irgendwo stand.

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