Zur Choreographie der Opernproduktion „Eloise“

Ein Interview mit der Choreographin Anna Beke
von Karlo Jurcevic, Elisabeth Bauer und Alime Ileri

Während einer der vielen Kuchenpausen setzen wir uns mit Anna Beke, unserer Choreographin zusammen, um uns mit ihr über die Entwicklung der Choreographie zu unterhalten.

Frau Beke, wie sind Sie mit den Vorgaben der Regisseurin umgegangen und wie haben sich daraus die Choreographien entwickelt?

Anna Beke: Ich habe mit Natascha vor allem über die großen Tanzszenen gesprochen: Was sie szenisch machen möchte und welche Richtung sie sich vorstellt. Choreographisch waren durchaus einige Herausforderungen für mich dabei, Elemente mit denen ich so noch gar nicht gearbeitet habe. Zum Beispiel stammt von ihr die Idee, die Hula-Hoop-Reifen einzubringen. Ich habe noch nie mit solch einem Reifen choreographisch gearbeitet, genauso wenig wie mit Jo-Jos. Aber ich habe versucht, mich hier ebenso einzuarbeiten, wie in die von Natascha vorgegebene Handlungszeit der 40er/50er Jahre, also der Zeit von Broadway- und Filmstars wie Fred Astaire und Gene Kelly aber auch des flippigen High School-Musicals Grease. Dementsprechend habe ich viel zu diesen Epochen recherchiert und habe u.a. zahlreiche Musikvideos aus dieser Zeit angesehen, um mich von dem jeweiligen Tanzstil inspirieren zu lassen. Darüber hinaus hat sich Natascha gewünscht, dass ich bei der „Hula“-Choreographie mit Formationen arbeite. Hierzu habe ich mir überlegt, was schön aussehen könnte und habe ganz viel ausprobiert. Ansonsten habe ich mich in die Musiknoten und die Geschichte vertieft sowie mehrmals das Märchen gelesen. Tatsächlich ist dieses seit meiner Kindheit eines meiner Lieblingsmärchen. Es stammt von Hans Christian Andersen, und ich habe mich sehr gefreut zu erfahren, dass „Eloise“ auf der berührenden Geschichte der „Wilden Schwäne“ basiert. Neben dem Austausch mit Natascha und unserem Dirigenten Chris habe ich auch immer wieder den Kontakt zu unserer Bühnenbildnerin Claudia und unserem Kostümbildner Dieter gesucht, weil neben der Musik auch Kostüm und Bühne ganz wichtig sind für den Tanz. Denn man muss beim Choreographieren natürlich immer überlegen, was in welchem Kostüm möglich ist, und ob dieses mit der Bewegung korrespondiert.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Stipendiaten dabei?

Anna Beke: Die Entwicklung von euch? Sehr positiv! Für mich ist es diesmal die positivste Arbeitswoche überhaupt. Es hat sich eigentlich jede Woche für mich gesteigert, und das ist ganz unglaublich, denn wir wussten alle nicht, ob das wirklich funktionieren wird, wenn man sich monatelang nicht sieht. Das ist eine ganz andere Herangehensweise, als wenn man mehrere Wochen am Stück immer weiterarbeiten kann. Absolutes Highlight dieser Woche war für mich die erste „Hula-Reifen“-Probe – wie unglaublich viel, eigentlich alles hängen geblieben ist. Ich hatte jetzt beim Proben eher den Eindruck, man müsste die Choreographie nur mehr wiederholen und es wäre jetzt eine Woche dazwischen gelegen, aber nicht mehrere Monate. Das hat mich sehr gefreut, dass das Körpergedächtnis jetzt voll aktiviert ist und mitarbeitet. Auch von der Einstellung her hat in dieser Woche die wahrscheinlich positivste Entwicklung stattgefunden – alles wächst jetzt zusammen.

Das ist aber sicher auch dadurch besser geworden, dass Sie die Choreographien vereinfacht haben, oder nicht?

Anna: Tatsächlich ist die Choreographie nur bei den „Distelwollspinnerinnen“ etwas leichter geworden. Die Armbewegungen habe ich leicht verändert, weil diese zu komplex waren neben Gesang und Tanz. Der Gesang ist vor allem auch bei dieser Nummer musikalisch ziemlich anspruchsvoll und dann sehr schwer mit einer differenzierten Choreographie der Arme und Beine gleichzeitig auszuführen. Aber auch hier habe ich eigentlich nur wenig vereinfacht, denn die Wahrheit lautet, Ihr seid jetzt einfach besser geworden. Das ist der eigentliche Grund, warum es für Euch viel leichter wirkt: Es ist mehr präsent.

Wir haben ja alle keine Theaterausbildung. Wir sind also in dem Sinne Amateure. Wie verläuft für Sie die Arbeit mit Amateuren wie uns?

Anna Beke: Arbeit mit Amateuren bereitet mir in mancher Hinsicht mehr Freude als Arbeit mit Profis, weil man einfach so schön die Entwicklung sieht, die vonstatten gehen kann. Und hier hängt so viel mit der Einstellung jedes Einzelnen zusammen: Sich zu öffnen und uns zu vertrauen, dass wir wissen, was wir Euch zumuten können, da wir ja alle wollen, dass es gut aussieht und sich gut anhört. Daher werden wir einfach so intensiv daran arbeiten und feilen, bis es funktioniert und vor allem Ihr euch gut damit fühlt. Wenn Ihr mit Eurer Arbeit und dem was Ihr erreicht habt glücklich seid, sind auch wir glücklich, und es entsteht eine rundum erfüllende Arbeit. Gerade die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen die keine Erfahrung im Tanz haben, bereitet mir große Freude, weil man viel aus ihnen herausholen kann. Das ist jedes Mal eine unglaubliche Herausforderung, und man weiß nie genau, wie sich alles entwickeln wird. Jedes Projekt und jede Gruppe von Menschen ist völlig verschieden. Man weiß nie wie die Konstellation der Gruppe sein wird, auch wie sie sich untereinander verstehen. Hier ist ja das große Glück, dass so viele Freundschaften existieren. Es gibt im Grunde kein Gegeneinander, und es ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit, dass so viel Freundschaft und Vertrauen untereinander besteht. Aber bei Euch ist das so und das ist natürlich die allerbeste Voraussetzung: Denn wenn es bei Euch untereinander funktioniert, wenn Ihr euch mögt und gegenseitig unterstützt, dann ist das zugleich die beste Basis, dass es auch mit uns funktioniert. Jetzt ist mein Gefühl, dass wir alle eine echte „Eloise“-Familie geworden sind. Ich merke das immer wenn wir uns wiedersehen. Gestern habe ich darüber nachgedacht, dass ich richtig traurig sein werde, wenn es vorbei ist, und Ihr mir unglaublich fehlen werdet. Denn das ist ja eine völlig ungewöhnliche Situation, dass man über fast zwei Jahre hinweg miteinander auf diese Weise arbeitet. Gerade bei den Kleineren merke ich, dass sie vom Kind zum Jugendlichen geworden und jetzt fast zwei Köpfe größer sind, und das ist so unglaublich. Man hat da wirklich Individuen dabei zugesehen, wie sie innerlich und äußerlich „gewachsen“ sind. Das miterleben und verfolgen zu dürfen, wie sich Menschen in einer doch sehr zentralen Phase über zwei Jahre hinweg entwickeln und sie in ihrer Entfaltung zu fördern, ist wunderschön und eine ganz erfüllende Angelegenheit. Ich glaube, dass das alle meine Kollegen so sehen.

Es geht hier in erster Linie also nicht um unsere eigene künstlerische Arbeit, sondern primär um Euch, um Menschen, mit denen man gemeinsam etwas auf die Beine gestellt hat. Wenn man sieht, wie diese Arbeit und dieses Ringen Formen annehmen, macht mich dies stolz und glücklich. Und jetzt bin ich auch entspannt, wirklich entspannt, da ich weiß, dass es gut werden wird. Ja, ich bin mir ganz sicher, dass es gut werden wird!

Über den Probenfortschritt bei „Eloise“

Interview mit Natascha Ursuliak und Laura Tontsch

von Elisabeth Bauer, Alime Ileri und Karlo Jurcevic

Im Februar waren nun die nächsten Proben, doch eingeladen waren diesmal nur die Hofleute. Wir haben Zeit gefunden, uns mit Natascha Ursuliak und Laura Tontsch zusammenzusetzen (unserer Regisseurin und ihrer Assistentin) und haben ein Gespräch über die Entwicklung der Inszenierung von „Eloise“ geführt. Weiterlesen